Dariusz Michalczewski: Der ‚Tiger‘ setzt sich für LGBT-Rechte ein

Die polnische Lesben- und Schwulenbewegung hat einen prominenten Unterstützer bekommen: Den ehemaligen Box-Weltmeister Dariusz Michalczewski. Er steigt fast zehn Jahre nach seinem letzten Boxkampf wieder in einen Ring – diesmal in den der öffentlichen Meinung.

Auf einem Foto einer polnischen Lesben- und Schwulenorganisation posiert Michalczewski im blauen Anzug mit einem Schild: „Ich möchte in einem Land leben, in dem meine homosexuellen Freunde nicht diskriminiert werden“, steht darauf – und es ist eine deutliche Botschaft in einem Land, das gerade zum dritten Mal die Eingetragene Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare abgelehnt hat.

Das Foto entstand vor genau drei Monaten bei einer Veranstaltung mit dem Titel „Schulter an Schulter für Gleichheit – LGBT und Freunde“. Und als Freund von Lesben, Schwulen und Transgendern ist man in Polen eine Minderheit. Immerhin 26 Prozent der Polen haben letztes Jahr in einer Umfrage behauptet. Homosexualität sei nicht normal.

Einer von ihnen ist wahrscheinlich Michalczewskis Box-Kollege Tomasz Adamek. „Schwule, Lesben und Transsexuelle sind Perverse, und dagegen muss man kämpfen. Ich werde sie zu einem normalen Leben überreden, so wie Gott es will“, sagte er in einem Interview.

Eine Einstellung, die Michalczewski nicht verstehen kann. „Ist ein homosexueller Sportler schlechter als ein heterosexueller? Haben seine Medaillen einen anderen Wert? Zählen Tore nicht, die ein schwuler Fußballer schießt?“, fragt er. Und gibt die Antwort gleich selbst: „Das ist ein Riesenblödsinn!“

Für sein Engagement gegen Homophobie muss Michalczewski – wenig überraschend – auch Kritik einstecken. „Er hat wohl einen Schlag zu viel abbekommen“, liest man im Internet über den Boxer, der als „Tiger“ bekannt wurde. Doch er lässt sich nicht beirren. In einem Interview sprach sich Michalczewski sogar für die Öffnung des Adoptionsrechts für Lesben und Schwule aus – was im katholischen Polen erst recht für Aufregung sorgte.

So erklärte Marek Jakubiak, Besitzer einer der größten polnischen Brauereien, zum Engagement des Boxers, Michalczewskis Aussagen seien der Beweis dafür, dass Boxen dem Gehirn schade: „Ich weiß, dass das nicht mehr möglich ist, aber ich wünsche dir, Dariusz, eine Mutter mit einem Schwanz statt mit Brüsten, damit du etwas zum Saugen hast“, ätzte der Brauereibaron über Facebook.

Auch dadurch lässt sich Michalczewski nicht beirren „Ich war mehrfacher Boxweltmeister, ich habe Hunderte Kämpfe ausgetragen. Kann so etwas mich beleidigen? Soll dieser arme Mensch doch sagen und schreiben, was er will – das ist ein freies Land. Mich berührt das mit Sicherheit nicht. Sein Post sagt nichts über mich aus, dafür aber viel über ihn“, gibt er Jakubiak mit auf den Weg.

Und er hatte damit Erfolg: Für immer mehr Polen wird Michalczewski durch solche Aussagen zum „neuen polnischen Nationalheld“. Bei einer Veranstaltung im Warschauer Café „Wrzenie Swiata“ wurde Jakubiaks Bier öffentlich weggeschüttet – der Brauereibesitzer musste sein Posting löschen und sich öffentlich entschuldigen.