LGBT-Aktivistin aus Uganda bekommt ‚Alternativen Nobelpreis‘

Die ugandische LGBT-Aktivistin Kasha Jacqueline Nabagesera ist eine von drei Preisträgern des „Right Livelihood Award 2015“, besser bekannt unter dem Namen „Alternativer Nobelpreis“. Das hat die Jury gestern Vormittag bekannt gegeben.

Die 35-jährige ist eine der Gründerinnen der Initiative „Freedom And Roam Uganda“ (FARUG). Diese stellt Lesben und Schwulen seit zwölf Jahren Schutzräume zur Verfügung und setzt sich für eine Legalisierung gleichgeschlechtlicher Liebe ein. Derzeit wird homosexueller Sex in Uganda mit bis zu sieben Jahren Haft bestraft.

Der Grund für ihre Engagement ist sehr persönlich: Beinahe wäre Nabagesera von der Universität geflogen, weil sie als Studentin offen lesbisch lebte. Von diesem Moment an setzte sie sich unter großer Gefahr für die Rechtesexueller Minderheiten in ihrer Heimat Uganda ein.

Wegen ihres Einsatzes wurde Kasha Jacqueline Nabagesera schon mehrere Male verhaftet. Auch wurde sie mehrfach überfallen und erhält immer wieder Morddrohungen. Sie muss ständig ihre Identität und ihren Wohnsitz wechseln.

Höhepunkt der Menschenjagd war die Veröffentlichung einer „Homo-Liste“ in der ugandischen Boulevardzeitung „Rolling Stone“ im Jahr 2010, die zur Ermordung der auf ihr befindlichen Personen aufrief. „Hängt sie“, stand unter ihrem Foto. Ihr Mitstreiter David Kato wurde in Folge dieses Artikels getötet. Sie selbst überlebte und klagte die Zeitung wegen der Veröffentlichung – mit Erfolg.

Auch hat Nabagesera mit anderen Aktivisten gegen ein „Anti-Homo-Gesetz“ geklagt, das Homosexualität unter bestimmten Umständen mit lebenslanger Haft bestrafen wollte. Auch dieses Gesetz hat der Oberste Gerichtshof Ugandas aufgehoben – wenn auch nur aus formalen Gründen.

Und auch, wenn es kaum irgendwo auf der Welt so gefährlich ist, offen homosexuell zu sein, lässt sich Nabagesera dadurch nicht beeindrucken. Sie kämpft für ihr Recht. Sie feiert Pride Parades, bringt ein Magazin für Homosexuelle heraus und einen Radiosender an den Start.

Ihr Hochglanzmagazin „Bombastic“, das vom Leben von LGBT in Uganda erzählt, ist bereits zwei Millionen Mal aus dem Internet heruntergeladen worden. Aber Nabagesera verteilt es nicht nur in der Community und unter Freunden. „Sie schickt sie auch an die Regierung und den Premierminister“, sagt Jakob von Uexküll, der Stifter des Preises und Direktor der Stiftung.

„Wir waren unglaublich beeindruckt, als wir von ihrer Arbeit erfahren haben“, fährt von Uexküll fort. „Letztes Jahr, als die Hetze gegen Schwule und Lesben besonders schlimm war, hat sie eine große öffentliche Geburtstagsfeier für 200 Leute gegeben“, erzählt er. Auch den Preis will sie mit ihren Mitstreitern feiern.

In ihrer Begründung schreibt die Jury, dass Nabagesera diesen wichtigen Preis erhalte, „weil sie sich trotz unerträglicher Einschüchterung und Gewalt mit Mut und Hartnäckigkeit für das Recht von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen auf ein Leben ohne Vorurteile und Verfolgung einsetzt“. Die Jury nennt sie „eine der mutigsten und direktesten Menschenrechtsaktivisten in Afrika“.

Die weiteren Preisträger sind die Kanadierin Sheila Watt-Cloutier, die sich für die Rechte der Inuit einsetzt. Der italienische Chirurg Gino Stada bekommt den Preis, weil er als Gründer der Organisation „Emergency“ Opfern von Krieg und Verfolgung eine medizinische Notversorgung bietet. Außerdem gibt es dieses Jahr einen undatierten Ehrenpreis. Er geht an das Volk der Marshall-Inseln und deren Außenminister Tony de Brum, die gegen Atomwaffen kämpfen.

Mit dem „Right Livelihood Award“ werden seit 1980 Menschen ausgezeichnet, die für eine „bessere Welt“ kämpfen. Der Preis wurde vom schwedisch-deutschen Aktivisten Jakob von Uexküll gestiftet und ist mit jeweils einer Million schwedischer Kronen dotiert, das sind etwa 110.000 Euro. Die Preise werden am 30. November im schwedischen Reichstag verliehen.