Anti-Homo-Politik: 1500 Mormonen verlassen ihre Kirche

Dass die Mormonen ihren Kurs gegenüber Lesben und Schwulen verschärft haben, gefällt nicht jedem innerhalb der Kirche. So sollen bereits mehr als 1000 Mitglieder deshalb die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ verlassen haben.

Bis jetzt hatte die Kirche zwar ein Problem mit schwulen und lesbischen Ehepaaren – ob ein homosexuelles Mitglied aus der Kirche ausgeschlossen wurde, war aber Sache der verantwortlichen Gemeinde. Doch mit der neuen Version des „Mormon Handbook“, das für alle Pfarren verbindlich ist, änderte sich diese Praxis.

So sollen nun verheiratete Homo-Paare als „Abtrünnige“ gebrandmarkt und ausgeschlossen werden. Kinder aus Regenbogenfamilien werden nun nicht mehr, wie bei den Mormonen üblich, als Babys gesegnet und im Volksschulalter getauft. Sie können nun mit 18 Jahren der Kirche beitreten, wenn sie dafür aus dem Haushalt ihrer gleichgeschlechtlichen Eltern ausziehen sowie sich von ihnen und dem Konzept der Ehe-Öffnung distanzieren.

Das geht auch vielen Mormonen zu weit. So gab es am Wochenende vor dem Hauptquartier der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah einen publikumswirksamen Massenaustritt von Gläubigen. “Wir sollten unsere Kinder so lieben wie Gott und liebt“, erklärt die ehemalige Mormonin Teresa Schofield dem US-Sender Fox: „Von jemandem zu verlangen, dass er seinem eigenen Kind den Rücken zuwendet oder von einem Kind, einem Elternteil den Rücken zuzuwenden, ist nicht notwendig.“

Und mit dieser Meinung ist sie nicht alleine: Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, haben insgesamt 1500 Mormonen ihre Kirche aus diesem Grund verlassen. Verglichen mit den 15 Millionen Mitgliedern, die die Kirche weltweit hat, ist das eine kleine Zahl – doch in Salt Lake City wird die Bewegung genau beobachtet.

Denn: „Es ist für die Menschen schwierig, die Kirche zu verlassen, sie brauchen lange, um diese Entscheidung zu treffen. Sie ist wohl überlegt und nicht leichtfertig“, erklärt Brooke Swallow, die den Protest organisiert.