NRW-Pastoren für Homo-Heilung statt Partner-Segnung: Empörung in der Kirche

In der letzten Woche fällte die Lippische Landeskirche in einer Synode den Beschluss, schwule und lesbische Paare in einer Eingetragenen Partnerschaft während des Gottesdienstes öffentlich zu segnen. Doch während es bei der Abstimmung nur eine Gegenstimme gab, machen jetzt zwei Pfarrer gegen den Beschluss mobil – was für Ärger in der evangelischen Landeskirche sorgt.

So druckten Peter Busse und Matthias Köhler, Pfarrer der der evangelisch-reformierten Gemeinde Hohenhausen, in ihrem Gemeindebrief eine Stellungnahme aus dem Jahr 2002 ab, in der sie unter anderem für die „Heilung“ von Lesben und Schwulen warben und homosexuelle Menschen mit jenen gleichsetzten, die Sex mit Tieren haben.

„Wenn Homosexualität als berechtigter Weg zur Sexualität anerkannt wird, besteht dann nicht die Gefahr, dass in Zukunft auch andere Arten fehlgeleiteter Sexualität (Pädophilie, Polygamie, Sodomie…) als normal anerkannt, gefördert und ‚abgesegnet‘ werden?“, schrieben die beiden Pastoren in ihrer wiederveröffentlichten Stellungnahme.

Zumal Homosexualität für die beiden protestantischen Geistlichen „kein unveränderliches Schicksal, das ausgelebt werden muss“, sei: Veränderung für Betroffene sei durch Seelsorge möglich, so die beiden Pfarrer.

Wenn Homosexualität trotzdem ausgelebt werde, sei sie „Sünde“, machen Busse und Köhler klar. Dass sie Homosexualität mit Pädophilie, Polygamie oder Sodomie gleichgesetzt hätten, sei nur „im Rahmen der theologischen Begründung zu verstehen“ und habe hohe „gesellschaftliche Relevanz“, ergänzte Matthias Köhler gegenüber der „Lippischen Landes-Zeitung“ (LZ).

Eine Position, hinter der nicht einmal die eigene Gemeinde geschlossen steht. Jugendarbeiter Jörg Bönnemann erinnert sich an die damalige Diskussion: „Damals haben Homosexuelle der Gemeinde den Rücken gekehrt, weil sie sich nicht mehr willkommen fühlten“, erinnert er sich in der LZ. Bönnemann hält die Haltung der Pfarrer für falsch. „So kann man das heute nicht mehr machen.“

Eine Meinung, die auch Kirchenvorstand Karl-Heinz Hüske teilt: „Ich bin total entsetzt. Das war aus meiner Sicht ein Schnellschuss unseres Vorstandsvorsitzenden Pastor Peter Busse, der mit dem Kirchenvorstand nicht abgesprochen war“, sagt Hüske in der LZ. Am Freitag soll es deshalb eine Krisensitzung im Kirchenvorstand geben. Dort fürchtet Hüske aber, in der Minderheit zu sein.

Die Meinung der beiden Pfarrer decke sich auch nicht mit der Position der Lippischen Landeskirche, macht Landessuperintendent Dieter Arends klar. Gegenüber der „Neuen Westfälischen“ erklärt er, die Kirche habe „die Diskussion darüber, wie das biblische Zeugnis auszulegen ist, intensiv geführt und kommen zu einem anderen Ergebnis“. Er habe es nicht für möglich gehalten, dass Homosexualität heute noch für heilbar gehalten werde, so Arends weiter. Auch sei es „völlig inakzeptabel“, Homosexualität mit Pädophilie, Polygamie oder Sodomie gleichzusetzen.

In ihrem Beschluss hat die Lippische Landeskirche, eine von drei evangelischen Gliedkirchen in Nordrhein-Westfalen, festgelegt, dass eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare während eines Gottesdienstes in der Kirche möglich sei. Diese müssen in einer Eingetragenen Partnerschaft leben. Pfarrer können diese Segnung ablehnen, die Kirche muss dann dem Paar aber einen Pastor nennen, der die Zeremonie durchführt. Damit richtet sich die Landeskirche an die unverbindliche Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die homosexuelle Beziehungen bereits 2013 als „gleichwertig“ bezeichnete.

Der Lippischen Landeskirche gehören 58 reformierte und zehn lutherische Gemeinden an. Eine weitere Gemeinde ist unabhängig. Die Gemeinden haben insgesamt etwa 167.000 Gläubige.