Ungarn: Homo-Gerüchte um Jobbik-Chef Gábor Vona

Schlammschlacht zwischen der Fidesz von Viktor Orbán und der rechtsextremen Jobbik geht in die nächste Runde

Gábor Vona
Jobbik

In der ungarischen Innenpolitik sitzen die Messer derzeit besonders locker: Ein Fernsehsender, dessen Besitzer Premierminister Viktor Orban nahesteht, hat den Chef der rechtsextremen Partei Jobbik als schwul geoutet. Der dementiert den Bericht.

So hat der Fernsehsender TV2, ehemals Teil der ProSiebenSat.1-Gruppe und nun im Besitz von Orbán-Freund Andy Vajna, berichtet, dass Gábor Vona, Parteivorsitzender der rechtsextremen Jobbik, vor seiner Polit-Karriere auch andere Interessen gehabt haben soll. So behauptete Károly Rácz, der als Terry Black eine Porno-Karriere hinter sich hatte und heute die Schwulenbar „Lokál“ betreibt, dass Vona als Student von 2001 bis 2003 in einer Wohnung in der Budapester Innenstadt regelmäßig schwule Sexparties veranstaltet hatte.

Homosexualität des Rechtsextremen sei ein „offenes Geheimnis“, schreibt der politische Konkurrent

Die Neigungen des Jobbik-Chefs, der 1978 als Gábor Zázrivecz geboren wurde, seien „in der Szene bekannt“, erklärte Rácz im zweitgrößten Privatsender Ungarns. Dass Vona eine Vorliebe für das eigene Geschlecht hat, sei ein „offenes Geheimnis“, schrieb kurze Zeit später auch der Sozialist János Zuschlag auf seiner Facebook-Seite.

Doch was in anderen europäischen Ländern kein großes Aufsehen erregt, gilt bei unserem Nachbarn als Skandal. Im konservativen Ungarn bedeutet ist es für einen Politiker quasi das Ende seiner Karriere, wenn er als schwul geoutet wird – besonders, wenn er aus dem rechten Lager kommt.

Von Gábor Vona selbst gibt es auf die Behauptungen von Rácz und Zuschlag zunächst keine offizielle Reaktion. Seine Ehefrau schrieb allerdings einen offenen Brief an Viktor Orbáns Gattin Anikó Lévai. Darin beschwerte sie sich über den Bericht und forderte mehr Fairness in der poltischen Debatte. Sie bat Orbáns Frau, mäßigend auf ihren Mann einzuwirken. Doch diese ließ ausrichten, sich nicht mit Politik zu befassen.

In der ungarischen Innenpolitik sorgte der Brief zunächst für Hohn: Ein Regierungssprecher ätzte, Vona würde sich „hinter seiner Frau verstecken“ – woraufhin der Parteichef Ende letzter Woche selbst vor die Presse trat. Er erklärte „ein stolzer Hetero-Mann“ zu sein, die Behauptungen von Rácz seien Lügen.

„Ich habe nicht vor, an Homo-Parties teilzunehmen“

„Ich habe niemals – ich betone niemals – an homosexuellen Partys teilgenommen, auch habe ich dies für die Zukunft nicht vor“, erklärte Gábor Vona der versammelten Presse. Er habe zu dieser Zeit nur an „Intellektuellentreffen“ teilgenommen. Vona sprach von einer Rufmordkampagne und kündigte an, gegen Károly Rácz und János Zuschlag gerichtlich vorzugehen. Er unterstellte Orban, hinter dem Beitrag auf TV2 zu stecken.

Das wies ein Sprecher der ungarischen Regierung umgehend zurück.  Er ließ nach Informationen des „Pester Lloyd“ sinngemäß ausrichten, dass er nicht wisse, was Vona geraucht habe, um eine Verbindung zwischen der Sendung und dem Regierungschef herzustellen.

In der Vergangenheit hetzte Vona gegen die Community

Und auch, wenn Jobbik regelmäßig gegen Lesben, Schwule und Transgender hetzt: Die Basis für diese Gerüchte kommen aus der eigenen Partei. So musste im März 2010 Jobbik-Sprecher Andras Kiraly zurücktreten, weil er während eines Kanada-Urlaubes gemeinsam mit Transen, Schwulen und einer farbigen barbusigen Tänzerin posierte.

Vona selbst ist bisher nicht durch übertriebene Freundlichkeit gegenüber sexuellen Minderheiten aufgefallen. Die Budapest Pride bezeichnete er 2009 als „Provokation“, die „mit allen Mitteln verhindert werden müsse“. Über die schwul-lesbischen EuroGames, die 2012 in Budapest stattfanden, sagte der Jobbik-Chef, es sei „unerträglich, dass im Jahr der olympischen Sommerspiele in London Ungarn die Schwulenolympiade beherbergen muss“.

Bisheriger Tiefpunkt der ungarischen Innenpolitik

Für Beobachter der ungarischen Innenpolitik ist das Outing der traurige Tiefpunkt einer Schmierenkomödie im Kampf um die Vorherrschaft im rechten Lager. Orban war letzte Woche im Parlament mit einem Antrag zu einer Verfassungsänderung gegen EU-Quoten für Asylbewerber um zwei Stimmen gescheitert.

Ein Grund für die fehlende Zweidrittelmehrheit war, dass auch Jobbik wie alle anderen Oppositionsparteien gegen das Gesetz stimmte – und deshalb von Politikern der regierenden rechtspopulistischen Fidesz als „Vaterlandsverräter“ beschimpft wurde. Nun geht der Machtkampf im rechten Lager weiter – Jobbik hat angekündigt, den Fidesz-Antrag zur Verfassungsänderung größtenteils wortgleich selbst ins ungarische Parlament einzubringen.