Irland erlaubt schwulen Männern die Blutspende

Gestern wurde das lebenslange Verbot für schwule Männer aufgehoben

Blutkonserven
Symbolbild - Rotes Kreuz

Die Republik Irland hat das lebenslange Blutspende-Verbot für schwule Männer aufgehoben. Das Verbot war, wie in den meisten Staaten, zum Höhepunkt der „Aids-Krise“ in den 1980er-Jahren erlassen worden.

Zusätzliche Bedingung: Zwölf Monate Enthaltsamkeit

Nun ist es Geschichte. Aufgrund neuer Möglichkeiten zur Analyse der Blutspenden hat das zuständige Gremium des „Irish Blood Transfusion Service“ (IBTS) das Verbot am Montag offiziell aufgehoben. Nun dürfen schwule Männer Blut spenden, wenn sie die letzten 12 Monate vor der Spende keinen Sex gehabt haben. Diese Regelung entspricht auch jenen, die Großbritannien, Kanada und andere Länder nach dem Ende des Totalverbots erlassen haben.

„Ich habe im Juni letzten Jahres die Empfehlungen des IBTS zur Anpassung der Richtlinien für die Blutspende von Männern, die Sex mit Männern haben akzeptiert, genauso wie für Spender, die eine sexuell übertragbare Infektion hatten“, erklärte der irische Gesundheitsminister Simon Harris. Das IBTS werde auch weiterhin „alle Kriterien zur Spende aktiv mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, aktuellen Infektionen und internationalen Erfahrungen abgleichen“.

Drei Prozent der Iren, die Blut spenden dürfen, tun dies auch. Im Laufe ihres Lebens benötigen aber fast ein Viertel der Iren mindestens einmal eine Blutspende. Mit den Änderungen hoffen die Blutspendedienste, die Zahl der Spender zu erhöhen.

Kritik: Risikoverhalten wichtiger als Risikogruppen

Dass schwule Männer, unabhängig von ihrem tatsächlichen Risiko, ein Jahr enthaltsam leben müssen, um Blut spenden zu dürfen, sorgt aber auch für Kritik. Denn andere Länder sind hier liberaler: „In Italien werden Spender gebeten, von einer Blutspende abzusehen, wenn sie an sexuellen Aktivitäten beteiligt waren, die ein hohes HIV-Risiko haben. Spanien fragt seine Spender, ob sie in den letzten sechs Monaten sexuelles Risikoverhalten hatten. Nur schwul zu sein, ist kein Grund, in diesen Ländern automatisch ausgeschlossen zu werden“, erklärt der US-Aktivist Jay Franzone.

In Österreich ist schwulen Männern die Blutspende nach wie vor verboten. Zur Zeit habe aufgrund der Grippewelle die Zahl der verfügbaren Blutspenden ein „kritisches Niveau“ erreicht, so das Rote Kreuz. Eine Änderung der aktuellen Richtlinien wird aber trotzdem nicht angedacht.