Zagreb: Tausend Teilnehmer bei Demo gegen Anschlag auf LGBT-Party

Die Regierung verurteilt den Anschlag gegen LGBT, ohne LGBT zu erwähnen.

Flagge von Kroatien
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In der kroatischen Hauptstadt Zagreb haben etwa tausend Menschen gegen den Angriff auf eine LGBT-Party am Samstag protestiert. Ein Unbekannter hatte eine Tränengas-Patrone in einer voll besetzten Disco gezündet, bei der dabei entstehenden Panik wurden mehrere Personen verletzt.

„We are unstoppable“: Klares Zeichen gegen Rechtsruck in Kroatien

Die Aktivisten des Zagreb Pride haben daraufhin für gestern Abend zu einer Demonstration auf dem Platz der Opfer des Faschismus in der Innenstadt aufgerufen. Diesem Aufruf folgten etwa tausend Teilnehmer, die mit Regenbogenflaggen durch die Straßen zogen. Mit Transparenten und Schildern, auf denen Sätze wie „Wir tolerieren Intoleranz nicht“ oder „We are unstoppable“ standen, setzten sie ein klares politisches Zeichen.

Denn der Angriff auf eine Party der Community ist für viele Teilnehmer der Demonstration ein Zeichen für den Rechtsruck, der durch Kroatien geht. „Es gibt die Angst, dass sich die Gesellschaft radikalisiert“, erklärte einer der Teilnehmer, der 60-jährige Boris Kladar, den anwesenden Journalisten. „In den letzten Jahren gab es keinen solchen Gewalttaten. Wir dachten, damit ist es jetzt vorbei“, ergänzt Jelena Poštić von Zagreb Pride. Der Hass verbreite sich über Soziale Netzwerke und werde von Politikern angeheizt, erklärt sie.

Regierung verurteilt Anschlag, will aber nicht zuviel Unterstützung für LGBT zeigen

Denn die Mitte-Rechts-Regierung von Andrej Plenković schielt auch immer wieder auf die Stimmen am rechten Rand. Das zeigt auch die Erklärung der Regierung zu dem Anschlag: Darin wurde der Anschlag auf eine LGBT-Veranstaltung verurteilt, ohne die LGBT-Community zu erwähnen.

„Ich bin hierhergekommen, um im Namen des Ministerpräsidenten und der Regierung meine Solidarität zum Ausdruck zu bringen und diesen Akt des Vandalismus zu verurteilen. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass sich alle Bürger in Kroatien sicher fühlen“, erklärte Davor Ivo Stier, Vize-Premier, Außen- und Europaminister bei einem Besuch des Tatorts.

Außenminister redet von Toleranz und will nicht an Zagreb Pride teilnehmen

Auf die Frage, warum er in seiner Erklärung die LGBT-Community nicht explizit erwähnt habe, wiederholte der Politiker der nationalkonservativen HDZ, dass er diesen Akt des Vandalismus verurteile, Kroatien den Weg des Dialoges und der Toleranz gehen wolle und jede Tat dagegen inakzeptabel sei.

Danach erklärte Stier, der auch Koordinator für Menschenrechtsfragen in Kroatien ist, auf die Frage eines Journalisten, dass er nicht an der diesjährigen Zagreb Pride teilnehmen wolle. „Aber ich möchte sagen, dass die Politik der Regierung und meine persönlichen Ansichten sind, dass die Würde jedes Menschen respektiert werden muss“,

Mittlerweile breitet sich die Protestwelle gegen Gewalt gegenüber sexuellen Minderheiten auf dem Balkan weiter aus: Auch in der istrischen Stadt Poreč und der bosnischen Hauptstadt Sarajevo sind entsprechende Demonstrationen geplant.