Indonesien: Achtzig Stockhiebe für schwules Paar

Nachbarn überrumpelten das Paar und drangen in ihre Wohnung ein

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Jeweils achtzig Hiebe mit dem Stock forderte die Staatsanwaltschaft im indonesischen Banda Aceh am Mittwoch für zwei junge Männer. Ihr Vergehen: Sie sollen zusammen Sex gehabt haben. Das berichtet der staatliche australische Sender ABC.

Liebe zwischen zwei Männern wirft „schlechtes Licht auf die Bevölkerung“

Demnach haben der 20- und der 23-Jährige gestanden, ein Liebespaar sein. Nun sollen sie wegen Homosexualität verurteilt werden. Ihre „Taten“ hätten „ein schlechtes Licht auf die Bevölkerung von Aceh“ geworfen, so die Staatsanwaltschaft. Beim Prozess vor einem Scharia-Gericht wurden die beiden Männer mit Handschellen aneinander gekettet dem Gericht vorgeführt. Die Männer hatten keinen Anwalt, der sie verteidigte.

In der Provinz Aceh wurde Homosexualität im Jahr 2015 verboten – durch ein Gesetz, das auf dem islamischen Recht, der Scharia, basiert. Folgt das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft, wären die beiden Männer die ersten Personen, die wegen Homosexualität zu einer Folterstrafe verurteilt werden. Die Höchststrafe für homosexuelle Handlungen liegt in der indonesischen Provinz bei 100 Stockhieben.

Mob drang in die Wohnung ein und hielt sie fest, bis die Polizei kam

Die Begründung, warum die Staatsanwaltschaft nicht die Höchststrafe an, hört sich seltsam an: Neben der Tatsache, dass die Angeklagten nicht vorbestraft sind, ist strafmildernd, dass sie „jung genug“ seien, „dass sie eine Chance haben, ihr Verhalten zu ändern“. Das Urteil will der Richter im Laufe dieser Woche verkünden.

Die beiden Männer wurden vor gut einem Monat verhaftet, nachdem ein schwulenfeindlicher Mob in ihre Wohnung eingedrungen war. Sie erwischten die beiden jungen Männer offenbar im Bett und filmten ihren Einbruch. Das Video der Burschen stellten sie ins Internet. Es zeigt einen der Männer nackt und  verschreckt, wie er gerade versucht, über sein Handy Hilfe zu organisieren. Der andere wird von einem der Männer immer wieder gestoßen – der Mob versucht, das Paar daran zu hindern, die Wohnung zu verlassen.

Der Vater eines der Männer wusste nicht, dass sein Sohn schwul ist

Der Vater eines der Verdächtigen wusste nicht, dass sein Sohn schwul ist. „Das ist eine Qual für unsere Familie“, sagte er einer indonesischen Zeitung: „Nachdem dieses Problem gelöst ist, schicken wir ihn auf eine islamische Schule, damit er vernünftig erzogen wird und nicht mehr abartig sein wird.“

Die Lage für sexuelle Minderheiten in Indonesien wird immer prekärer: Zwar ist außerhalb der Provinz Aceh Homosexualität kein Straftatbestand, doch das Klima verschlechtert sich immer mehr. So hat erst im Jänner das Europaparlament die „wachsende Intoleranz“ in dem Land kritisiert und gefordert, die Rechte von LGBTI-Personen nicht noch weiter zu beschneiden.

Erst vor zwei Wochen wurden in Surabaya, der zweitgrößten Stadt Indonesiens, insgesamt 14 Männer festgenommen: Einige von ihnen sollen sich bei einer Party schwule Pornofilme angesehen haben – ein Verstoß gegen das strenge Anti-Pornografie-Gesetz. Acht der Männer droht deshalb nun eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren.