München: 30-jähriger im Schwulenviertel homophob beleidigt und verprügelt

Eine Geburtstagsfeier endete nach einem brutalen Angriff mit Kopfverletzungen im Krankenhaus

Opfer in München
privat/Facebook

In München ist ausgerechnet im Zentrum der Schwulenszene ein Mann zum Opfer einer brutalen homophoben Gewalttat geworden: Der 30-jährige Gregor P. feierte gerade seinen Geburtstag, als er von Unbekannten am Samstag gegen 1.00 Uhr früh im Glockenbachviertel krankenhausreif geschlagen wurde.

Gregor P. wollte seinen Geburtstag feiern – und wurde mitten im Glockenbachviertel verprügelt

Der Versicherungsangestellte feierte am Freitag mit Freunden seinen 30. Geburtstag. Mit zwei Freunden ist er gerade auf dem Weg von einem festlichen Abendessen in die Schlagerbar „Prosecco“, um dort auf den Ehrentag anzustoßen. An der Ecke Müller-/Theklastraße kommen ihnen drei junge Männer entgegen. Einer bezeichnet sie als „Scheiß-Schwuchteln“.

Gregor P. zeigt Courage. Er fragt den Burschen, was sein Problem sei. Der rastet aus: Er bespuckt und beschimpft den 30-Jährigen. Plötzlich schlägt der Unbekannte Gregor P. mit voller Wucht mit der Faust ins Gesicht. Der Versicherungsangestellte fällt mit dem Hinterkopf gegen einen Stromkasten. „Ich bin gegen die Hauswand geknallt, zusammengebrochen. Ich wollte wieder hoch, bin wieder runtergesackt“, erinnert er sich im Gespräch mit der „Bild“-Zeitung an die verhängnisvollen Augenblicke. Der Täter und seine zwei Freunde fliehen in Richtung Fraunhoferstraße.

Ein Gesichtsnerv wurde verletzt, ein Knochen unter dem Auge zertrümmert

Bei dem Angriff erlitt Gregor P. schwere Verletzungen am Kopf und im Gesicht. „Mein Trichter unter dem Auge ist völlig zerstört“, schrieb er dem deutschen Online-Portal „queer.de“: „Dadurch ist das Auge etwas verrutscht. Es muss operiert werden und ein künstlicher Trichter wird eingesetzt.“ Das Auge selbst ist bei dem Vorfall nicht verletzt worden. Außerdem sind die rechte Nasenhälfte und ein Teil der Oberlippe ohne Gefühl. Es droht auch eine Netzhaut-Ablösung. Die Nacht verbringt er im Krankenhaus, er ist vier Wochen krankgeschrieben.

Die Täter dürften gezielt nach einem schwulen Opfer gesucht haben: Vor ihrer Gewalttat fielen die Männer bereits in der Müllerstraße unangenehm auf, als sie etwa vierzig Meter entfernt  vom späteren Tatort vor dem schwulen Kommunikations- und Kulturzentrum „Sub“ laut pöbelten, Gäste beleidigten und die dort hängende Regenbogenflagge mitsamt der Fahnenstange herunterrissen. Ein Mann verscheuchte sie – dann suchten sie offenbar ein anderes Opfer, um ihre Wut herauszulassen.

Haupttäter sah aus, „als sei er gerade bei Mutti ausgezogen“: Polizei sucht Zeugen

Nun sucht die Münchner Polizei nach Zeugen. „Er sprach Deutsch ohne Akzent, hatte schulterlange blonde Haare. War dunkel gekleidet mit Käppi. Etwa Anfang 20. Kein Schlägertyp. Als sei er gerade bei Mutti ausgezogen“, erinnert sich Gregor P. an den Haupttäter. Wer Beobachtungen gemacht hat, die Vorfälle oder mutmaßlichen Täter fotografiert oder gefilmt hat, wird gebeten, sich mit der Polizeiinspektion München 11 oder jeder anderen Dienststelle in Verbindung zu setzen.

Gregor P. lässt sich durch den Angriff und seine ernsten Folgen aber nicht einschüchtern: „Mir geht es den Umständen entsprechend gut, macht euch alle keine Sorgen, so schnell kann mich keiner runterreißen“, schrieb er auf seinem Facebook-Profil. Allerdings mache es ihn „wahnsinnig traurig und gleichzeitig auch wütend, dass man heutzutage als Homosexueller diskriminiert wird“.

Spontane Mahnwache am Samstag im Glockenbachviertel

Um Solidarität mit Gregor P. zu zeigen, hat es am Samstag im Glockenbachviertel eine spontane Mahnwache gegen Diskriminierung gegeben. „Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort“, so Gregor P. gegenüber der „Abendzeitung“: „Es hätte jeden treffen können.“

Das bayerische Landeskriminalamt hat im letzten Jahr 21 Fälle von Hasskriminalität gegen sexuelle Orientierungen gezählt. Im Jahr zuvor waren es 32 solcher Delikte gewesen, 2014 sogar 49. Doch die Statistik ist lückenhaft: Viele Opfer gehen nicht zur Polizei, und viele Hassverbrechen werden nach den offiziellen Kriterien nicht als solche registriert. So widersprechen auch die Beobachtungen von Christoph Knoll von der Beratungsstelle vom „Sub“ der offiziellen Statistik: „Wir bemerken einen leichten Anstieg von anti-schwulen Gewalttaten und Beleidigungen in München“, sagt er der „Abendzeitung“.