Warum Schwule Männer in Österreich noch immer kein Blut spenden können

Das Rote Kreuz beklagt zu wenige Spender - und schließt eine ganze Gruppe aus

Blutkonserven
Symbolbild - Rotes Kreuz

Heute ist Weltblutspendetag. Das Rote Kreuz, in Österreich die wichtigste Organisation für das Sammeln der Spenden, macht darauf aufmerksam, dass es immer wieder Engpässe in Österreich gibt. Doch diese könnten leicht gemildert werden – denn schwule Männer dürfen noch immer nicht ihr Blut spenden.

„1.000 Konserven pro Tag kommen zur Behandlung von Patienten zum Einsatz, die im Notfall auch ein Menschenleben retten können. Jedoch spenden nur etwa 3,7 Prozent der Bevölkerung Blut. Das sind nicht einmal vier von 100 Personen“, erklärt Gerald Schöpfer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes.

Im Gesetz ist von einem Blutspendeverbot für Schwule und bisexuelle Männer keine Rede

Dabei gibt es eine ganze Gruppe, die gerne Blut spenden würde, aber nicht darf: Denn Männer, die einmal in ihrem Leben Sex mit einem anderen Mann hatten, sind in Österreich lebenslang von der Blutspende ausgeschlossen. Dabei gibt es durchaus eine Möglichkeit: Die damalige Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser erklärte im Februar 2017 bei einer Anfragebeantwortung, die Rechtslage sehe keinen Ausschluss von Männern, die Sex mit Männern haben, oder einer gesamten Gruppe vor.

Doch in den aktuellen Richtlinien zur Blutspende ist genau das – als Überbleibsel der Aids-Krise in den 1980er-Jahren – festgeschrieben. Aus dem Ministerium heißt es, man wolle den Themenkomplex evaluieren. Für Ewa Dziedzic, Grüne LGBTI-Sprecherin und Bundesrätin, ist das nicht gerade ein Zeichen dafür, dass rasche Veränderungen zu erwarten sind.

„Ausschluss muss sich auf Fakten begründen, nicht auf einen Generalverdacht“

„Seit Jahren weisen wir auf diese diskriminierende Tatsache hin, nun steht die Sommerzeit bevor und das Rote Kreuz befürchtet erneut Spendenengpässe. Gleichzeitig definiert die Hilfsorganisation klare Ausschlussgründe für bestimmte Personengruppen. Darunter eben auch für bisexuelle und schwule Männer. Es muss klarerweise Richtlinien geben, aber die sollten sich auf medizinischen Fakten begründen und nicht auf einem Generalverdacht“, ärgert sich die Grüne Bundesrätin.

Wie das aussehen könnte, zeigen die Schweiz, Irland oder Belgien: Diese Länder haben die Blutspenden für schwule Männer geöffnet. „Unsere Priorität bei der Blutspende ist die Sicherheit der Patienten, die Bluttransfusionen brauchen, und dabei ist ein risikoreiches Sexualverhalten ein wichtiger Faktor. Die sexuelle Orientierung spielt keine Rolle“, erklärte die belgische Gesundheitsministerin Maggie De Block im Mai anlässlich der Neuregelung.

An die Stelle des kompletten Verbots treten in den Ländern neue Richtlinien, die weiterhin für sichere Blutspenden sorgen sollen. So dürfen Blutspender künftig zwölf Monate vor der Spende keinen schwulen Sex, Sex gegen Geld oder Sex mit jemandem, der sich Drogen spritzt, gehabt haben. Der zwölfmonatige Ausschluss von der Blutspende gilt auch für Heterosexuelle, die mehrere Sexualpartner hatten.