„Presse“-Kommentar kritisiert Öffnung der Ehe

"Die anthropologische Gegebenheit von Mann und Frau" bedingt den Schutz der Hetero-Ehe

Die Presse
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Erneut macht ein Medium der Styria-Gruppe gegen die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare in Österreich mobil. Nach einem Kommentar von Kleine-Chefredakteur Hubert Patterer am Wochenende haben konservative Kräfte nun in der Presse ein Sprachrohr gefunden.

„Privilegien der Ehe von Mann und Frau eine Selbstverständlichkeit“

So erklärt Hans Winkler, langjähriger Innenpolitik-Redakteur der Kleinen heute in einem Gastkommentar im Schwesternblatt, dass die „angeblichen Privilegien der Ehe von Mann und Frau“ gar keine seien, sondern „eine Selbstverständlichkeit“.

Winkler stellt in seinem Kommentar unter anderem Umfragen in Frage, nach denen eine Mehrheit der Österreicher eine Öffnung der Ehe befürworte.

Die römisch-katholische Kirche bestärkt der Journalist, sie möge nicht „auf die Stimmen im eigenen Lager und von außerhalb hören“, die die Ehe zwischen Mann und Frau als „ein Sonderprogramm für unverbesserlich Religiöse“ sehen würden.

Auch erwähnt er „Kleine“-Chefredakteur Patterer mit seiner Aussage, der Staat „darf nicht nur die Ehe privilegieren, er muss es sogar, nimmt er sich selbst und seinen Fortbestand ernst“ lobend. „Die anthropologische Gegebenheit von Mann und Frau bedingt das, so Winkler.

Sind schwule und lesbische Paare, die heiraten wollen, Egoisten?

Außerdem wirft Winkler schwulen und lesbischen Paaren, die heiraten wollen, Egoismus vor. Dass das Verweigern der Zivilehe für sie Diskriminierung sein soll, könne man „nur widerlegen, wenn man der Ehe eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung gibt, die über das Interesse und Wohlbefinden der beteiligten Einzelnen hinausgeht“, so Winkler.

Auch kann er nicht verstehen, dass der Familienstand „verpartnert“ für die Betroffenen ein Zwangsouting ihrer sexuellen Orientierung ist. „‚Outen‘ sich nicht auch Heterosexuelle, wenn sie eine Ehe eingehen? Und ist das Bekenntnis zu seiner Homosexualität heute nicht ohnehin ein Akt, der als Ausdruck von Individualität und Würde besondere Anerkennung bekommt?“, stellt Hans Winkler einige rhetorische Fragen, deren Antwort er wohl schon kennt.

Ehe-Öffnung ein „kulturelles Großprojekt der Linken“

Für den Innenpolitik-Journalisten ist die Öffnung der Ehe „auch ein kulturelles Großprojekt, das für die Linke in den USA und in Europa zu einem Prestigefall geworden ist“, wie er in seinem Kommentar weiter ausführt.

Auch ist die Bezeichnung „sexuelle Orientierung“ für Winkler „verräterisch“: „Man orientiert sich. Man wählt aus, wer man sein will. Die Lebensform hängt nicht von den biologischen Bestimmtheiten ab, in denen man sich vorfindet.“

Die Styria Medien AG steht mehrheitlich im Besitz des Katholischen Preßvereins der Diözese Graz-Seckau.