Offen schwul und erzkonservativ: Jens Spahn soll Gesundheitsminister werden

Jens Spahn
Stephan Baumann

Deutschland könnte schon bald einen offen schwulen Gesundheitsminister haben: Wie verschiedene Zeitungen am Sonntag berichteten, könnte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Jens Spahn einen ihrer schärfsten Kritiker ins Kabinett holen. Damit kommt sie ihren parteiinternen Widersachern entgegen. Der machtbewusste CDU-Politiker Spahn, derzeit Staatssekretär im Finanzministerium, gilt als wertkonservativ und einer ihrer profiliertesten Kritiker.

Bei LGBT-Themen nimmt er meistens eine Position außerhalb der Community ein

Bei der Abstimmung über die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare stimmte Spahn dafür. Sonst ist er in der LGBT-Politik bis jetzt nicht besonders positiv aufgefallen: So forderte er bei einigen Themen, unter anderem bei der Öffnung der Ehe eine „Abrüstung“ auf „beiden Seiten“ und betonte, dass eine Ablehnung der Gleichstellung noch keine Diskriminierung darstelle.

Vor zwei Wochen hat er beim politischen Aschermittwoch „weniger rot-rot-grünes Gender-Mainstreaming und manchmal etwas mehr Familien-Mainstreaming“ gefordert. Es sei „verrückt, dass in manchen gesellschaftlichen Kreisen eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft mehr Anerkennung hat als eine vollzeit erziehende Mutter“, so Spahn.

Instrumentalisiert Jens Spahn Homophobie für seine Anti-Islam-Agenda?

In Interviews hat er immer wieder die Homophobie unter Muslimen zum Thema gemacht. Das hat auch den Deutschen Lesben- und Schwulenverband (LSVD) auf den Plan gerufen: Sie warfen Spahn letztes Jahr eine „Instrumentalisierung der Themen Homo- und Transphobie“ vor, weil er den Eindruck erwecke, „dass nur Muslime Homosexuelle diskriminieren würden“.

Privat ist Spahn seit mehreren Jahren mit Daniel Funke, dem Hauptstadtkorrespondenten der Illustrierten Bunte, zusammen. Kurz vor Weihnachten hat das Paar geheiratet. Zuletzt war Spahn am Wiener Opernball, wo er in der Loge von Bundeskanzler Sebastian Kurz auch mit dem offen schwulen irischen Premierminister Leo Varadkar redete – womit die mächtigsten konservativen schwulen Politiker Europas an einem Ort versammelt waren.