FPÖ und „Österreich“ wettern gegen Pornofilmfestival

Das Boulevardblatt glaubt offenbar nicht, dass man eine solche Veranstaltung auch ohne Steuergeld finanzieren kann

Porn Film Festival Vienna
Porn Film Festival Vienna

Im Schikaneder-Kino startet heute das erste Wiener Pornofilmfestival – sehr zum Missfallen der FPÖ, die in der Boulevardzeitung Österreich einen willfährigen Verbreiter ihrer Botschaft gefunden hat.

FPÖ-Klubchef vermutet öffentliche Subventionen, wo keine sind

So berichtet die Zeitung, dass FPÖ-Klubchef Toni Mahdalik mittels einer Anfrage im Gemeinderat prüfen will, „ob es zu indirekten Subventionen kam“. Dass das Festival im ersten Jahr seines Bestehens keine direkten Subventionen bekommen hatte, bestätigen sowohl die Veranstalter als auch die Stadt Wien.

Denn finanziert wird das erste Wiener Pornofilmfestival ausschließlich über Sponsoren, den Verkauf der Karten und Crowdfunding, alle Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. Über das Crowdfunding bei der Plattform IndieGoGo wurden bereits vor dem Start des Festivals über 2.500 Euro gespendet, das sind mehr als die Hälfte des selbst gesteckten Ziels.

Zusätzlich gibt es unentgeltliche Kooperationen, zum Beispiel mit dem Community-Sender Okto. Auch die Aids Hilfe Wien beteiligt sich bei dem Festival, um über Schutz durch Kondome und Test- und Beratungsangebote zu informieren. Diese Organisationen werden zwar subventioniert – Geld aus diesen Subventionen fließt aber nicht ins erste Wiener Pornofilmfestival. Das wäre auch rechtlich nicht möglich, die Fördergeber würden das Geld dann zurückfordern.

„Österreich“ bedient sich der FPÖ-Sprache

Doch Österreich reicht diese Begründung nicht. Denn das Boulevardblatt stellt die Frage „wie man die diversen Partys und Kosten für Filme und Locations bezahlt“ – um süffisant nachzufragen ob „im bestens subventionierten Filmcasino keine Saalmieten“ anfallen würden.

Dass die Tageszeitung bezweifelt, dass man mit den Karteneinnahmen, dem Crowdfunding – mehr als die Hälfte des Ziels – und viel persönlichem Engagement ein Filmfestival auf die Bühne stellen kann, überrascht nicht. Denn dort ist man größere Summen gewohnt: So hat die Zeitung der Rechercheplattform Dossier zufolge allein im Jahr 2015 insgesamt 11,5 Millionen Euro in Form von Inseraten und Medienkooperationen von öffentlichen Stellen und Unternehmen erhalten.