[Video] Zwei Filme mit Trans-Personen im Rennen um den Oscar

„Eine fantastische Frau“ und „Strong Island“ haben am Sonntag Chancen auf den begehrtesten Filmpreis der Welt

Eine fantastische Frau
Arne Höhne Presse

Am Sonntag werden in Los Angeles zum 90. Mal die Oscars verliehen. Und zum ersten Mal haben mit „Eine fantastische Frau“ und „Strong Island“ zwei Filme Chancen auf den wichtigsten Filmpreis der Welt, in denen Trans-Personen eine wichtige Rolle spielen.

Ein Melodram um eine unerwünschte Trans-Frau ist als bester fremdsprachiger Film nominiert

So gilt „Eine fantastische Frau“, ein Melodram aus Chile, als Favorit für den Preis als bester fremdsprachiger Film. Der Film erzählt die Geschichte der transsexuellen Kellnerin Marina, die nach dem Tod ihres Geliebten gegen die Vorurteile der Gesellschaft kämpft.

Die Hauptrolle wird von der chilenischen Schauspielerin Daniela Vega gespielt, die ebenfalls wie die Hauptfigur eine Trans-Frau ist. Der Film hat bereits im letzten Jahr bei der Berlinale den Silbernen Bären für das beste Drehbuch und den Teddy Award gewonnen.

Nominiert als beste Dokumentation: Ein Trans-Filmemacher arbeitet den Mord an seinem Bruder auf

Die sehr persönliche Dokumentation „Strong Island“ von und mit dem Trans-Mann Yance Ford ist in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ nominiert. In dem Film beschäftigt sich Ford mit dem Mord an seinem Bruder. Der 24-jährige Schwarze war 1992 erschossen worden. Der Täter, ein weißer Automechaniker, wurde trotz eindeutiger Beweise freigesprochen.

Yance Ford ist der erste offen transsexuelle Mann im Rennen um einen Oscar. „Das ist wie ein kleines Erdbeben“, sagt er: „Hoffentlich eröffnet das Transschauspielern und Künstlern die Möglichkeit, Anerkennung zu finden.“ Denn in der Vergangenheit wurden Trans-Rollen nicht mit Trans-Personen besetzt – beispielsweise in „Boys Don’t Cry“, wo Hillary Swank für ihre Darstellung des Frau-zu-Mann-Transsexuellen Brandon Teena im Jahr 2000 einen Oscar bekam.

Die Darstellung von Trans-Personen im US-Kino hat sich in den letzten Jahren geändert

Und die Figuren von Trans-Personen orientieren sich mittlerweile immer stärker an der Realität. „Es gab viele psychopathische Mörder wie in ‚Das Schweigen der Lämmer'“, erklärt Larry Gross, Kommunikationswissenschaftler an der University of Southern California, über die Darstellung dieser Minderheit in der Vergangenheit.

„Häufig geht es jetzt um die Schwierigkeit, anders zu sein“, so Gross.  Diese Geschichten wurden in der Vergangenheit mit schwulen, schwarzen oder jüdischen Figuren ähnlich erzählt: „Die große Herausforderung ist immer, dass das Anderssein gut und nicht bedrohlich ist“, erklärt der Kommunikationswissenschaftler.