Lob für Conchita nach ihrem mutigen HIV-Coming-Out

Mario Lindner: "Bekämpfen wir Aids. Nicht Menschen mit Aids. Ich verneige mich für deinen Mut"

Conchita
ORF/Clever Content

Dass Conchita Wurst, Österreichs Song Contest Gewinnerin von 2014, ihren positiven HIV-Status öffentlich macht, sorgt auch in der internationalen Presse für jede Menge Aufsehen – und Respekt.

Conchitas Schritt soll auch anderen HIV-Positiven Mut machen

Nachdem ein Ex-Freund gedroht hatte, mit Informationen über den HIV-Status der bärtigen Diva an die Öffentlichkeit zu gehen, hat Conchita beschlossen, das Heft des Handelns wieder an sich zu reißen: In einem ehrlichen herzerfrischend ehrlichen Posting outet sie sich und gibt damit auch anderen HIV-Positiven neuen Mut.

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heute ist der tag gekommen, mich für den rest meines lebens von einem damoklesschwert zu befreien: ich bin seit vielen jahren hiv-positiv. das ist für die öffentlichkeit eigentlich irrelevant, aber ein ex-freund droht mir, mit dieser privaten information an die öffentlichkeit zu gehen, und ich gebe auch in zukunft niemandem das recht, mir angst zu machen und mein leben derart zu beeinflussen. seit ich die diagnose erhalten habe, bin ich in medizinischer behandlung, und seit vielen jahren unterbrechungsfrei unter der nachweisgrenze, damit also nicht in der lage, den virus weiter zu geben. ich wollte aus mehreren gründen bisher nicht damit an die öffentlichkeit gehen, nur zwei davon will ich hier nennen: der wichtigste war mir meine familie, die seit dem ersten tag bescheid weiss und mich bedingungslos unterstützt hat. ihnen hätte ich die aufmerksamkeit für den hiv-status ihres sohnes, enkels und bruders gerne erspart. genauso wissen meine freunde seit geraumer zeit bescheid und gehen in einer unbefangenheit damit um, die ich jeder und jedem betroffenen wünschen würde. zweitens ist es eine information, die meiner meinung nach hauptsächlich für diejenigen menschen von relevanz ist, mit denen sexueller kontakt infrage kommt. coming out ist besser als von dritten geoutet zu werden. ich hoffe, mut zu machen und einen weiteren schritt zu setzen gegen die stigmatisierung von menschen, die sich durch ihr eigenes verhalten oder aber unverschuldet mit hiv infiziert haben. an meine fans: die information über meinen hiv-status mag neu für euch sein – mein status ist es nicht! es geht mir gesundheitlich gut, und ich bin stärker, motivierter und befreiter denn je. danke für eure unterstützung!

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Die Echtheit des Postings wurde mittlerweile der österreichischen Tageszeitung Der Standard bestätigt. „Inhaltlich hat der Künstler damit alles gesagt“, so Conchitas Manager René Berto knapp.

Lob für die Entscheidung Conchitas aus Politik

Mario Lindner, offen schwuler SPÖ-Nationalratsabgeordnter und ein Freund der bärtigen Diva, schreibt auf Facebook: „Niemand, absolut niemand, sollte aufgrund von Erpressungsversuchen gezwungen sein, sich als HIV-positiv zu outen. Bekämpfen wir Aids. Nicht Menschen mit Aids. Ich verneige mich für deinen Mut, Conchita Wurst“.

Marco Schreuder, ehemaliger Vorsitzender der Grünen Andersrum und Pressesprecher der 29-Jährigen, twittert: „Conchita verdient heute unseren wirklich größten Respekt, den man nur geben kann.“ Subtiler die Unterstützung von Gery Keszler, Vater des Life Ball: Er postete in einer ersten Reaktion ein Foto vom tätowierten Rücken der bärtigen Diva, um seine Solidarität mit Conchita zum Ausdruck zu bringen.

Der als Facebook-Kläger bekannt gewordene Datenschutz-Aktivist Max Schrems gratuliert Conchita auf Twitter und merkt an, dass die Künstlerin an einem Tabu rüttle, „das 20 Jahre nach der Kombinationstherapie schon längstens Geschichte sein sollte – es aber nicht (mal unter Homosexuellen) ist“.

Auch die Community unterstützt Conchita und wünscht ihr viel Kraft

Die Red Ribbon Angels der Aids Hilfe Wien wünschen Conchita auf Facebook „viel Kraft für die nächste Zeit“. „Ich zolle Conchita für diesen Schritt Hochachtung. Sich als HIV-positiv zu outen, ist ein mutiger Schritt“, sagt der Obmann der Aids-Hilfe Wien, Wolfgang Wilhelm, gegenüber den Salzburger Nachrichten.

Für Wilhelm zeigen die Reaktionen aber auch, dass eine HIV-Infektion „nach wie vor ein Tabu ist, mit dem man jemanden erpressen kann. Obwohl es eine chronische Krankheit ist, die sich behandeln lässt.“ Er hofft, dass Conchitas Schritt bei der Enttabuisierung helfe.

Die Berliner Drag-Queen Barbie Breakout, selbst HIV-positiv und Rolemodel bei „Ich weiß, was ich tu“, einer Kampagne der Deutschen Aids-Hilfe, schreibt auf Facebook: „Ich könnte nicht stolzer sein, mein Herz fließt über vor Liebe!“

Viele Promis zollen Conchita Respekt

Auch viele Prominente reagieren auf Conchitas Instagram-Post. So schreibt Moderatorin Ruth Moschner auf Instagram: „Danke für deine Offenheit Das Thema [HIV, Anm.] taucht hier immer weniger auf, obwohl es existiert. Danke, dass du daran erinnerst. Und natürlich alles Gute für deine Gesundheit. Zum Glück kann man hier HIV sehr gut behandeln. Mögen alle Dich als Mensch auch weiterhin gut behandeln.“

Der offen schwule Moderator Ralph Morgenstern kommentiert: „Mein Respekt ist dir eh sicher und stolz bin ich auch auf dich, das weißt du ja. Deine Entscheidung macht dich frei. Bleib ein selbstbestimmter Mensch. Ich drücke dich, Ralph.“ Star-DJ und DSDS-Juror Mousse T. reagiert mit einem Emoticon, das einen Bodybuilderarm zeigt – was wohl Respekt und Stärke beweisen soll.

Die österreichische „Let’s Dance“-Tänzerin Kathrin Menzinger schreibt in einer ersten Stellungnahme: „Deine Worte berühren die Herzen! Und was für A********-Ex-Freund! Du wirst immer ein Vorbild für so viele Menschen sein. Ich bewundere dich für deine Stärke.“

Und auch „Lindenstraße“-Schauspielerin Rebecca Siemoneit-Barum zollt Conchita Respekt: „Oh Conchita, es bricht mir das Herz das jemand dir so viel Kummer machen konnte. Es war richtig, es selbst zu bestimmen. Meine Liebe und Bewunderung für dich ist ungebrochen.“

Sogar die USA hat Conchitas Nachricht erreicht. Der offen schwule Promi-Blogger Perez Hilton schreibt: „Ich sende dir eine dicke Umarmung und eine Menge Liebe.“

Auch ihre Fans stehen hinter Conchita

Auch Conchitas Fans zollten ihr auf Instagram Respekt für den Mut, sich als HIV-positiv zu outen. „Der heutige Tag wird dir als einer der besten Tage deines Lebens in Erinnerung bleiben und ganz sicher auch vielen anderen Mut machen, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen“, schrieb einer auf ihrer Instagramseite.

Ein anderer bedauerte, dass Conchita die Entscheidung durch einen „grausamen Menschen abgenommen wurde“. Ein anderer meinte, HIV sollte heutzutage kein Druckmittel mehr sein dürfen: „Idioten wird es leider immer geben und Dummheit ist NICHT behandelbar.“

In den nächsten Monaten gibt Conchita Vollgas

Conchita, die mit bürgerlichem Namen Tom Neuwirth heißt, hat 2014 mit „Rise Like A Phoenix“ den Eurovision Song Contest gewonnen. Am 26. April wird Conchita die Amadeus Austrian Music Awards moderieren. Sie hat für den Abend auch eine Coverversion von Falcos „Rock Me Amadeus“ produziert.

Danach wird sie eine wichtige Rolle beim diesjährigen Life Ball spielen. Im Oktober soll schließlich die Platte „From Vienna with Love“ erscheinen, das sie zusammen mit den Wiener Symphonikern eingespielt hat. Danach geht die 29-Jährige auf Tournee – stärker denn je.