Mittwoch, 24. Juli 2024
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Uni Wien: Lehrender verteilt Unterschriftenliste gegen Ehe-Öffnung

Die Leitung der Universität distanziert sich von der Aktion und plant ein ernstes Gespräch mit dem Lehrenden

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Für Irritationen sorgte ein Lehrender auf der Universität Wien. Ein Vortragender ließ vor einer Lehrveranstaltung auf dem Institut für Philosophie die Unterschriftenliste einer „parlamentarischen Bürgerinitiative ‚Keine Ehe für alle‘“ herumgehen. Das hat die Uni Wien gegenüber GGG.at bestätigt. Die ÖH Uni Wien fordert nun Konsequenzen.

Lehrender ging mit Unterschriftenliste der Christen-Partei in die Vorlesung

Demnach hat der Vortragende, der nach Informationen von GGG.at eigentlich schon in Pension ist, gestern vor der Lehrveranstaltung eine Unterschriftenliste der „Gesellschaft gegen Korruption und Bevormundung“ und der Christlichen Partei Österreichs (CPÖ) vorgelegt, in der eine parlamentarische Bürgerinitiative gegen die Öffnung der Ehe gefordert wird.

Auf der Unterschriftenliste wird unter anderem verlangt, dass „die Bezeichnung Ehe nur für die dauerhafte Verbindung von Mann und Frau, eingerichtet auf die Weitergabe des Lebens, verwendet werden darf“. Alle anderen Formen des Zusammenlebens seien als „Partnerschaft“ zu bezeichnen, gefordert wird auch eine Volksabstimmung, in welcher über die Aufnahme die Ehe als Verbindung von Mann und Frau in die Verfassung abgestimmt werden soll.

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Der Vortragende, der schon in der Vergangenheit durch abschätzige Kommentare zu Homosexualität aufgefallen sein soll, ließ die Unterschriftenliste vor der Lehrveranstaltung durch die Reihen gehen. Als sich einige Studenten beschwerten, versuchte der zweite Vortragende die Situation zu beruhigen und betonte, dass eine Diskussion nicht notwendig sei, weil die Öffnung der Ehe nicht das Thema der Lehrveranstaltung sei. Es schien, als habe er von der Aktion seines Kollegen nichts gewusst.

In der Universität Wien ist man über den Vorfall entsetzt

Im Rektorat der Universität Wien hat man von dem Vorfall erst durch das Facebook-Posting eines teilnehmenden Studenten erfahren – und ist entsetzt: „Die Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft der Universität Wien sieht sich den universitären Grundsätzen der Freiheit von Forschung und Lehre verpflichtet sowie den Prinzipien eines respektvollen Umgangs mit Diversität“, macht Uni-Pressesprecherin Alexandra Frey klar.

Die Universität Wien sei ein Ort, an dem Meinungsvielfalt wichtig ist, so Frey weiter: „Mit Initiativen wie zum Beispiel den Regenbogenführungen und dem jährlichen Hissen der Regenbogenfahne am Hauptgebäude setzen wir immer wieder Zeichen dafür, dass an der Universität Wien Diversität willkommen ist und Toleranz sowie Akzeptanz gefördert werden.“

„Studierende dürfen sich in Lehrveranstaltungen nicht diskriminiert fühlen“, macht die ÖH klar

Auch die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) an der Universität Wien ist über den Vorfall empört. „Auf der ÖH Uni Wien verurteilen wir Homophobie – sie darf bei uns keinen Platz haben. Wir setzen uns dafür ein, dass sich Studierende in Lehrveranstaltungen nicht diskriminiert fühlen und dafür, dass dieser Vorfall Konsequenzen haben muss“, erklärt Lena Köhler vom ÖH-Vorsitzteam gegenüber GGG.at.

Diese Konsequenzen will die Universität Wien ziehen: Der Vorfall soll morgen im Dekanat mit den Vorständen des Instituts und den Leiterinnen der Studienprogramme besprochen werden. Außerdem wird es auch noch diese Woche ein Gespräch mit dem Lehrveranstaltungsleiter geben.

Für die ÖH der Uni Wien geht das nicht weit genug: Die Studierendenvertreter können sich auch vorstellen, die Gleichbehandlungskommission der Uni Wien einzuschalten oder das Thema in der entsprechenden Lehrveranstaltung zu thematisieren.