Auch „Neues Deutschland“ trennt sich von Martin Leidenfrost

Homophober Kommentar in der "Presse" kostet Burgenländer auch einen Job in Deutschland

Nach der Tageszeitung Die Presse hat nun auch die deutsche Tageszeitung Neues Deutschland ihre Zusammenarbeit mit Martin Leidenfrost beendet. Der österreichische Journalist hat mit einem homophoben Kommentar in der Presse für Aufsehen gesorgt, der Fall landete vor dem Österreichischen Presserat. Für das Neue Deutschland, das sich als sozialistische Tageszeitung sieht, hat er eine Europakolumne geschrieben.

Die Regenbogenparade sieht Leidenfrost als „Fronleichnamsprozession“ der Gegenwart

„Wo Gläubige früher durch die Straßen zogen, um den Leib Christi zu verehren, beten sie jetzt in Latex gepresste Männerärsche an“, schrieb Leidenfrost im September in einem Presse-Kommentar zum höchstrichterlichen Urteil, die Ehe ab 1. Jänner 2019 auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen: Lesben- und Schwulenparaden seien „die Fronleichnamsprozession des frühen 21. Jahrhunderts“.

 DieErkenntnis des Verfassungsgerichtshofs, die zur Ehe-Öffnung geführt hat, bezeichnet er als „einmalige Richterherrlichkeit“, die der Justizminister „tatenlos“ hinnehme. Gleiche Rechte für sexuelle Minderheiten seien zur „todernsten Staatsdoktrin“ verkommen, schwule oder lesbische Ehepaare zur„Ikone unserer Zeit“. Das Tempo, mit der sich diese „exotische Ideologie“ durchsetze, sei „erschreckend“, so der 46-jährige Burgenländer weiter.

Leidenfrosts Ansichten liegen „weit außerhalb des politischen Selbstverständnisses“ der Zeitung

Dieser Kommentar kostet den freien Journalisten nun auch einen Job in Deutschland: „Das sind drastische Worte; die schwer erkämpfte Gleichberechtigung von Menschen, die sehr lange benachteiligt waren, wird als Privilegierung und widernatürliche Marotte einer zeitgeistigen Willkür abqualifiziert“, erklärt Chefredakteur Wolfgang Hübner in einer ausführlichen Erklärung, die in der Samstagsausgabe veröffentlicht worden ist.

Leidenfrost verbreite Positionen, die „weit außerhalb des politischen Selbstverständnisses“ der Redaktion lägen, so Hübner weiter: „So weit außerhalb, dass sie mit einer weiteren Autorenschaft im Neuen Deutschland nicht mehr vereinbar sind. Deshalb trennen sich unsere Wege.“

In der Presse schreibt er weiter eine Reisekolumne

Dabei spiele es keine Rolle, dass Leidenfrost in seinen Beiträgen für das Neue Deutschland keine homophoben Positionen vertreten hätte. „Die mediale Welt in Zeiten des Internets ist klein. Und es ist ja auch gut so, dass man sich ein umfassendes Bild von Vorgängen und Personen machen kann. Das kann allerdings – und muss gelegentlich– Konsequenzen haben“, so Hübner weiter.

Bereits Anfang Dezember hatte Presse-Chefredakteur Rainer Nowak die wöchentliche Meinungs-Kolumne von Leidenfrost aus dem Blatt geworfen. Der Journalist schrieb jeden Samstag den konservativen Kommentar „Der letzte Kreuzritter“. Leidenfrosts „Reiseminiaturen“ erscheinen weiterhin in der Wochenendbeilage Spectrum.