Hietzing: ÖVP und FPÖ würgen Antrag auf Regenbogen-Sitzbank ab

Während SPÖ und Grüne den Antrag der NEOS unterstützten, argumentieren die Bezirksschwarzen mit den hohen Kosten

Amtshaus Wien-Hietzing
Ricardalovesmonuments/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Hietzing, der 13. Wiener Gemeindebezirk, ist ein beschaulicher Flecken Wien. Das Schloss Schönbrunn befindet sich hier, genauso wie der Tiergarten und das Traditionscafé Dommayer. Hauptberufliche Ehefrauen in ihren Pelzmänteln fahren mit ihren SUV einkaufen und Hofratswitwen führen ihre Schoßhunde Gassi. Doch für Lesben und Schwule scheint in dieser Idylle kein Platz zu sein – zumindest wenn es nach ÖVP und FPÖ im Bezirk geht.

Denn bei der gestrigen Sitzung der Bezirksvertretung brachten die NEOS, unterstützt vom Wiener SoHo-Vorsitzenden Bakri Hallak, einen Antrag ein, dass es anlässlich der EuroPride 2019 „an einem stark frequentierten Ort“ eine Sitzbank in Regenbogenfarben lackiert und mit einer erklärenden Plakette versehen werden möge.

NEOS wollen mit der bunten Sitzbank ein deutliches Zeichen setzen

Auf der Plakette könnte dann stehen: „Errichtet von der Stadt Wien, anlässlich der EuroPride 2019. Die Regenbogenbank setzt ein Zeichen gegen Diskriminierung und für Akzeptanz und Gleichberechtigung der LGBTIQ-Community“, so der Vorschlag der NEOS. Mögliche Orte für so eine Bank könnten Am Platz, unweit des Schlosses Schönbrunn, oder im Felix-Steinwandtner-Park sein.

„Die Anliegen der LGBTIQ-Community sind aktueller denn je, Diskriminierungsschutz, Akzeptanz und Gleichberechtigung sind nach wie vor keine Selbstverständlichkeit“, wird der Antrag begründet: „Damit diese Ziele erreicht werden, braucht es neben Anlaufstellen, Hilfsangeboten und Aufklärungsarbeit auch die Sichtbarkeit der Community in der Öffentlichkeit, denn Sichtbarkeit schafft Bewusstsein.“

Die ÖVP Hietzing begründet ihre Ablehnung mit den Kosten

Das sehen die ÖVP Hietzing und die Freiheitlichen im Bezirk offenbar anders. Denn während SPÖ und Grüne den NEOS-Antrag unterstützten, schmetterten ihn die konservativen Parteien mit ihrer Mehrheit in der Bezirksvorstehung ab.

„Beide Fraktionen haben dies in der Sitzung nicht begründet, die ÖVP hat uns allerdings vorab mitgeteilt, dass man Bedenken gegen die Kosten hat, die auf den Bezirk zukommen würden“, so der Hietzinger NEOS-Klubchef Johannes Bachleitner gegenüber GGG.at. Die ÖVP Hietzing hat auf eine Anfrage nicht reagiert.

Für den Wiener SoHo-Chef ist die Ablehnung der Regenbogenbank „elend“

Für Hallak, der für die SPÖ in der Bezirksvertretung sitzt und den Antrag der NEOS unterstützt hat, ist das ein Skandal. Er bezeichnet die Ablehnung der Regenbogenbank durch Schwarz-Blau auf Facebook als „elend“.

Anderswo ist man in Hietzing sexuellen Minderheiten übrigens aufgeschlossener: So sind während der EuroPride 2019 einige gemeinsame Aktionen mit Unternehmern und Institutionen im Bezirk geplant, unter anderem mit dem Tiergarten Schönbrunn. Dort fand schon letztes Jahr der „Family Day“ statt, an dem Regenbogenfamilien ganz besonders willkommen geheißen wurden.