Angst vorm Präsidenten: Hochzeitsboom für schwule und lesbische Paare in Brasilien

In dem südamerikanischen Land geht die Angst um, der homophobe Präsident könnte die Ehe-Öffnung wieder rückgängig machen

Eheringe
Symbolbild - Fotolia

Ganz eilig mit dem Heiraten haben es derzeit schwule und lesbische Paare in Brasilien. Grund dafür ist der neue brasilianische Präsident Jair Bolsonaro, der am 1. Jänner vereidigt wird. Er gilt als extrem homophob, gewählt wurde er mit Unterstützung von ebenfalls nicht gerade LGBT-freundlichen Evangelikalen.

Landesweit gibt es ein Viertel mehr gleichgeschlechtliche Hochzeiten

Nach Angaben des Notarverbandes gibt es derzeit in Brasilien 25 Prozent mehr gleichgeschlechtliche Eheschließungen als im Vorjahr. In São Paulo ist die Anzahl der schwulen und lesbischen Eheschließungen sogar um 42 Prozent gestiegen.

Angestoßen hatte den Ehe-Boom Maria Berenice Dias, die Direktorin der brasilianischen Anwaltskammer. Sie hatte schwulen und lesbischen Paaren geraten, so schnell wie möglich zu heiraten – bevor Bolsonaro die Öffnung der Ehe wieder zurücknehmen kann. So hat der künftige Präsident unter anderem angekündigt, die „wahre Bedeutung der Ehe als Vereinigung zwischen Mann und Frau“ zu verteidigen und zu fördern. Doch bereits geschlossene Ehen könnten dann nicht mehr aufgelöst werden.

Eine Welle der Solidarität in der Community für alle, die sich die Ehe nicht leisten können

Wie die britische Tageszeitung The Guardian berichtet, führt der Hochzeitsboom auch zu einer kaum gekannten Welle der Solidarität. Heiratswillige Homo-Paare mit Geldproblemen bekommen beispielsweise die Hochzeitsfoto vom lesbischen Fotografenpaar Fernanda Pinacio und Vanessa Cafasso geschenkt, die Köchin Cris Mota und ihre Ehefrau stellen Hochzeitsbankette zusammen.

Höhepunkt dieser Solidaritätswelle: Am Samstag soll in São Paulo eine Massenhochzeit mit 100 Paaren stattfinden. Die Kosten für die Amtswege und die Party danach konnte der LGBT-Verein „Casa 1“ aus Spenden finanzieren. Die Organisation der Massenhochzeit übernimmt der Eventmanager Caique Paz, selbstverständlich kostenlos.

Doch die LGBT-Community in Brasilien hat nicht nur Angst, dass Bolsonaro ihre Rechte beschneidet. Sie fürchten auch, dass homophone Attacken zunehmen könnten. Die Aussagen der künftigen Ministerin für Familien, Frauen und Menschenrechte wollen sie dabei nicht trauen. Damares Alves, eine Evangelikale, hat angekündigt, sich für den Schutz sexueller Minderheiten einsetzen zu wollen.