TeenSTAR: Gesamte Opposition kritisiert Ministerium für Untätigkeit

Im Bildungsministerium vertröstet man - dem Minister droht eine neue parlamentarische Anfrage

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Sechs Monate ist es her, dass die HOSI Salzburg dem Bildungsministerium die Schulungsunterlagen des christlich-konservativen Vereins TeenSTAR übergeben hat. Dieser hat auch an österreichischen Schulen seine umstrittenen Thesen vertreten: Homosexualität wird in den Unterlagen als „Identitätsproblem“ bezeichnet. Eine Änderung der sexuellen Orientierung sei den vorliegenden Unterlagen zufolge möglich – „oft durch eine Kombination von Therapie, speziellen Selbsthilfegruppen und geschulter Seelsorge“

Die Prüfung ist beendet, das Ergebnis aber nicht öffentlich – und der Verein kann weitermachen

Das Bildungsministerium versprach damals eine schnelle Prüfung der Eignung von TeenSTAR für den Unterricht. Diese wurde im Jänner abgeschlossen. Doch das Ergebnis dieser Prüfung ist nicht öffentlich, und die Propaganda des erzkonservativen Vereins an österreichischen Schulen noch nicht verboten. Das wird heute von allen Oppositionsparteien kritisiert.

„Es kann und darf nicht sein, dass die Aufklärung dieser Berichte nicht mit voller Kraft verfolgt wird“, kritisiert Mario Lindner, Gleichbehandlungssprecher der SPÖ. Er hat zu dem Thema auch eine parlamentarische Anfrage an Bildungsminister Heinz Faßmann eingebracht – dessen Antwort eher ausweichend war. „Man kann sich dem Eindruck schwer erwehren, dass der Minister die Verantwortung für den Umgang mit diesen und ähnlichen Inhalten auf die LehrerInnen, die Schulen und die Bildungsdirektionen abwälzt“, so Lindner verärgert.

„Das ist eine Schande und gehört sofort abgestellt“, sagt NEOS-Abgeordneter Hoyos

Ähnlich äußert sich auch Douglas Hoyos, Bildungssprecher der NEOS. „Monate sind vergangen seit die völlig unhaltbaren Standpunkte und Lehrmaterialien des Sexualpädagogik-Vereins TeenSTAR bekannt wurden und immer noch gibt es keine Konsequenzen“, ärgert er sich: „Das bedeutet, dass dieser Verein weiterhin unter Duldung des Bildungsministeriums die sexuelle Selbstbestimmtheit von Mädchen und Frauen in Frage stellen und Homosexualität als Störung darstellen darf. Das ist eine Schande und gehört sofort abgestellt.“

Auch Stephanie Cox, Bildungssprecherin der Liste Jetzt, teilt diese Meinung und fordert einen offiziellen Abschluss der ministeriellen Prüfung des Vereins: „Bisher wurde noch immer kein Ergebnis vorgelegt und der Verein darf offensichtlich weiterhin seine erzkonservativen, ideologischen Praktiken unter die Schülerinnen und Schüler bringen“, ärgert sie sich – den Mitarbeiter des Ministeriums hätten „zugesichert, dass eine Zusammenarbeit mit dem Verein TeenSTAR nicht weitergeführt wird, wenn die zentralen Inhalte des Vereins weiterhin so vermittelt werden“

Für die Grüne Bundesrätin Dziedzic handelt es sich bei TeenSTAR um „menschenverachtende Praktiken“

„Dem Bildungsminister scheinen die Zustände wenig Sorge zu bereiten“, kritisiert auch die Grüne Bundesrätin Ewa Dziedzic, die im Bundesrat ebenfalls eine Anfrage an Faßmann zur Causa TeenSTAR gerichtet hat. Mit der Antwort war auch sie nicht zufrieden: „Die Anfrage beantwortet er, als würde es sich um einen Jugendstreich handeln und nicht um das, was es ist: Menschenverachtende Praktiken an Österreichs Schulen“, ärgert sich die Politikerin. Sie fordert unter anderem eine „schnelle, lückenlose und transparente Bearbeitung durch das Ministerium“.

Lindner und Hoyos kündigen eine erneute parlamentarische Anfrage an Minister Faßmann zur Causa TeenSTAR an. Cox verweist auf ihre Anfrage zur Sexualkpädagogik, die sie Mitte Dezember eingebracht hat und die vom Bildungsministerium noch nicht beantwortet wurde. „Aber in der Zwischenzeit muss das Wirken von Vereinen wie TeenSTAR an Österreichs Schulen unterbunden werden“, so die Bildungssprecherin der Liste Jetzt.

Die Regierung schweigt, das Ministerium vertröstet weiter

Von den Regierungsparteien gibt es noch keine Reaktion. Dort soll es namhafte Unterstützer der fragwürdigen Praktiken von TeenSTAR geben. Für die ÖVP sitzt die klerikal-konservative Gudrun Kugler als Menschenrechtssprecherin im Nationalrat, und nach Informationen der HOSI Salzburg setzt sich ein namhafter Ex-FPÖ-Abgeordneter hinter den Kulissen für den umstrittenen Verein ein.

Der Anwalt des Vereins wies die Kritik an seinen Unterlagen bereits im November als „inhaltlich falsch“ zurück. Beim Bildungsministerium heißt es, man arbeite derzeit an einem Erlass, der die Zusammenarbeit von Schulen mit außerschulischen Organisationen regle. Das betreffe sowohl Sexualkunde als auch andere Themen.

Als Reaktion auf TeenSTAR seien die Bildungsdirektionen bereits im Herbst aufgefordert worden, flächendeckend zu erheben, an welchen Standorten sexualpädagogische Workshops durch externe Anbieter geplant sind oder durchgeführt werden.