Österreich: Jeder Zehnte will keine homosexuellen Nachbarn

Unter türkisch- und arabischsprechenden Menschen ist die Zahl noch deutlich höher

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Trotz Regenbogenhauptstadt und EuroPride: Jeder Zehnte in Österreich möchte keinen homosexuellen Nachbar. Das geht aus einer aktuellen Studie des IFES-Instituts hervor. Bei Türkischsprachigen würde sogar fast jeder vierte einen schwulen Nachbar oder eine lesbische Nachbarin ablehnen, unter Arabischsprechenden ist es sogar mehr als jeder Dritte.

Die Nachbars-Frage soll klären, was für ein Verhältnis Befragte zu bestimmten Gruppen haben

Im Rahmen der jüngst veröffentlichten Antisemitismus-Studie wurde unter anderem auch abgefragt, wie Menschen in Österreich zu 13 Bevölkerungsgruppen stehen. Dazu wollte das Institut wissen, ob sich die Befragten stören würden, wenn sie Angehörige dieser Gruppen als Nachbarn haben würden. Und das Ergebnis gibt Grund zur Besorgnis.

So würden sich unter allen Befragten zehn Prozent an schwulen oder lesbischen Nachbarn stören. Fünf Prozent hätten mit ihnen ein großes Problem, weitere fünf Prozent ein eher großes Problem. Die unbeliebtesten Nachbarn unter der Gesamtbevölkerung sind der Umfrage zufolge übrigens Afghanen, Roma und Sinti, Araber, Schwarzafrikaner, Muslime oder Türken.

Fast ein Viertel der türkisch sprechenden Menschen und jeder Dritte, der Arabisch spricht, will keine homosexuellen Nachbarn

Unter türkisch- und arabischsprechenden Menschen, die in Österreich leben, ist die Ablehnung von Homosexuellen deutlich größer. In beiden Bevölkerungsgruppen wären Lesben und Schwule die jeweils unbeliebteste Möglichkeit für Nachbarn.

Bei Türkischsprachigen haben insgesamt 23 Prozent ein Problem mit Homosexuellen: Neun Prozent würden sie als Nachbarn sehr stören, weitere 14 Prozent eher schon. Bei Arabisch sprechenden Befragten ist dieser Wert sogar noch höher: Hier hätten insgesamt 34 Prozent ein Problem mit gleichgeschlechtlich liebenden Nachbarn. Je 17 Prozent würden sich daran sehr oder eher schon stören.

Frage sollte klären, ob Antisemiten auch mit anderen Minderheiten ein Problem haben

Mit der Frage nach den unbeliebtesten Nachbarn wollten die Autoren der Antisemitismus-Studie die „Kontextualisierung“ des Antisemitismus überprüfen, erklärt Studienleiterin Eva Zeglovits: „Wir gingen von der Idee aus, dass gruppenspezifische Menschenfeindlichkeit normalerweise austauschbar ist.“

Gemeint ist damit, dass Menschen mit starken Vorurteilen gegen Jüdinnen und Juden auch große Ressentiments gegen andere Minderheiten hegen.  Diese Annahme bestätigte sich im Rahmen der Befragungen allerdings nicht.