Fast ein Jahr nach dem Tod einer nordirischen LGBTI-Aktivistin: Tatverdächtige gefasst

Lyra McKee
privat

Fast ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod der nordirischen LGBT-Aktivistin und Journalistin Lyra McKee sind am Dienstag vier Männer im Alter von 20 bis 52 Jahren festgenommen worden, die mit dem Tod der 29-Jährigen in Verbindung stehen. Das gab die nordirische Polizei in der Früh bekannt. Die Männer sind nun in Belfast in Untersuchungshaft.

McKee starb am 18. April 2019 während schwerer Ausschreitungen in der nordirischen Grenzstadt Derry, die von den Protestanten Londonderry genannt wird. Die Journalistin, die sich unter anderem mit den Auswirkungen des Nordirland-Konflikts beschäftigte, stand währen der Krawalle in einer Menschengruppe in der Nähe von Polizeifahrzeugen, als sie eine Kugel in den Kopf traf. Wenige Stunden danach starb sie im Krankenhaus.

„Unsere Hoffnungen und Träume wurden durch eine einzige barbarische Handlung ausgelöscht“

Der Mord habe sie nicht nur der Liebe ihres Lebens beraubt, mit der sie alt werden wollte, sagte McKees Partnerin Sara Canning bei einer Gedenkfeier, die wenige Tage danach am Ort des tragischen Unglücks stattfand. Die queere Community Nordirlands habe eine „unermüdliche Streiterin und Aktivistin“ verloren, so Canning weiter.

„Unsere Hoffnungen und Träume, ihr erstaunliches Potenzial wurden durch eine einzige barbarische Handlung ausgelöscht“, erklärte McKees Partnerin bei der Andacht, die von tausenden Menschen besucht wurde. Der Tod der Journalistin und Aktivistin dürfe nicht umsonst gewesen sein, so Canning weiter.

Lyra McKee wurde in Belfast geboren und zog erst vor Kurzem zu ihrer Partnerin nach Derry. Sie war unter anderem für das Magazin „The Atlantic“ und BuzzFeed News tätig. Kurz vor ihrem Tod hat sie auf Twitter noch ein Foto veröffentlicht, das sie während der Unruhen gemacht hatte. „Derry heute Abend. Völlig verrückt“, schrieb sie dazu.

„New IRA“: Lyra McKee hatte Pech, weil sie neben Polizisten stand

Kurz nach der Tat bekannte sich die katholisch-nationalistische Gruppe „New Irish Republican Army“ zu der Tat. Die Gruppe, die sich für ein vereinigtes Irland einsetzt, betonte, dass es sich beim Tod von Lyra McKee um ein „tragisches Versehen“ handelte. Die 29-Jährige sei „neben feindlichen Kräften“ gestanden, so die NRIA.

Offenbar wollten die Mitglieder der Gruppe Polizisten treffen, die Polizei hatte die Ermittlungen deshalb auch von Beginn an als terroristischen Vorfall behandelt. Bereits im April 2019 hatte die nordirische Polizei zwei Männer wegen des Mordes an McKee verhaftet, die aber wenig später wieder freigelassen werden mussten.

Der gewaltsame Tod der jungen Journalistin weckte Erinnerungen an die dunkelsten Zeiten des Nordirland-Konflikts, der insgesamt 3.500 Menschenleben forderte. Derry war dabei im Jahr 1972 Schauplatz des „Bloody Sunday“, als britische Soldaten auf unbewaffnete Teilnehmer einer nicht genehmigten Demonstration schossen. Dabei starben 14 Menschen.