Ex-Papst Benedikt setzt Ehe-Öffnung mit Abtreibung und Gen-Versuchen gleich

Der 93-Jährige warnt vor einer "scheinbar humanistischen Ideologie"

Papst Benedikt XVI.
Fabio Pozzebom/Agência Brasil - CC BY 3.0

In einer neuen Biografie kritisiert der emeritierte Papst Benedikt XVI. erneut die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare – und setzt sie mit Abtreibung  und Gen-Versuchen an Menschen gleich.

„Vor hundert Jahren hätte es jeder für absurd gehalten, von homosexueller Ehe zu sprechen“

„Vor hundert Jahren hätte es noch jedermann für absurd gehalten, von homosexueller Ehe zu sprechen“,  so der 93-Jährige in Interviews mit Peter Seewald für die Biografie „Benedikt XVI. – Ein Leben“, die heute auf den Markt kommt. „Ähnliches gilt bei Abtreibung und für die Herstellung von Menschen im Labor“, fügt der emeritierte Papst hinzu.

Und – wie unter erzkonservativen Christen üblich – sieht er diejenigen, die gegen eine Öffnung der Ehe sind, in einer Opferrolle. „Die moderne Gesellschaft ist dabei, ein antichristliches Credo zu formulieren, dem sich zu widersetzen mit gesellschaftlicher Exkommunikation bestraft wird. Die Furcht vor dieser geistigen Macht des Antichrist ist dann nur allzu natürlich“, so Benedikt.

Papst warnt vor dem Humanismus als „Antichrist“

Die „eigentliche Bedrohung der Kirche“ liege in einer „weltweiten Diktatur von scheinbar humanistischen Ideologien“, erklärt der ehemalige Papst in dem Buch. Kritiker werfen Benedikt XVI. vor, sich wie eine Art „Schattenpapst“ zu verhalten – zum Beispiel durch seinen Beitrag über den Zölibat, den er letztes Jahr für ein Buch von Kardinal Robert Sarah schrieb. 

Er selbst weist diese Vorwürfe in dem Interviewbuch zurück: „Die Behauptung, dass ich mich regelmäßig in öffentliche Debatten einmische, ist eine bösartige Verzerrung der Wirklichkeit.“ Die Freundschaft mit seinem Nachfolger Franziskus sei „nicht nur geblieben, sondern gewachsen“.

Benedikt habe Homophobie in der Kirche verankert, sagt ein Insider

Während seiner Amtszeit als Papst von 2005 bis 2013 hatte Benedikt immer wieder vor einer Ausweitung der Rechte für sexuelle Minderheiten gewarnt. Der ehemalige Vatikan-Insider Krzysztof Charamsa hat 2016 in einem Interview gemeint, Benedikt habe „die Homophobie in der katholischen Kirche verankert und mit einer entstellten und falschen Lehre versehen“.

In einem bereits 2010 erschienenen Interviewbuch mit Seewald bezeichnete Benedikt Homosexualität als „etwas, das gegen das Wesen dessen steht, was Gott ursprünglich gewollt hat“: Wenn jemand starke homosexuelle Neigungen habe, dann sei das für denjenigen eine große Prüfung, so der Papst weiter. „Aber das bedeutet nicht, dass Homosexualität dadurch moralisch richtig wird“.

Im Jahr 2012 behauptete er, die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften sei eine „Manipulation der Natur“ und führe zum Verlust der Menschenwürde. Auch forderte er während seiner Amtszeit Hilfsorganisationen auf, keine Projekte zu finanzieren oder zu unterstützen, „im Gegensatz zum christlichen Menschenbild“ stünden.