Home News Chronik „Hustler“-Gründer Larry Flint ist tot

„Hustler“-Gründer Larry Flint ist tot

Pornograf, Befürworter der Ehe-Öffnung und Kämpfer für die Meinungsfreiheit

Larry Flynt
JC/Wikimedia - CC BY-SA 2.0

Larry Flynt, Verleger und Gründer des Porno-Magazins Hustler ist tot. Er ist am Mittwoch im Alter von 78 Jahren an Herzversagen in Los Angeles gestorben. Berühmt und berüchtigt wurde er nicht nur durch sein Magazin – sondern auch als unnachgiebiger Kämpfer für die Meinungsfreiheit und Unterstützer der Ehe-Öffnung.

Der Schulabbrecher aus Kentucky baute sich ein Imperium auf

Wie die Washington Post berichtet, war es dem Schulabbrecher aus Kentucky gelungen, über die Jahre ein Imperium im Wert von 100 Millionen Dollar aufzubauen – begonnen hatte er mit Strip-Bars, heute gibt es neben den Clubs und dem Magazin auch ein Casino und einen Online-Versand.

Im Gegensatz zum Playboy war der Hustler deutlich direkter – als erstes Magazin veröffentlichte es einen “Pink Shot”, das Bild einer geöffneten Vagina. “Playboy und Penthouse”, sagte Flynt in einem Interview, “zelebrieren ihre Pornografie als Kunst, mit Airbush und Weichzeichnern. Ich habe verstanden, dass wir, wenn wir deutlicher werden, ein großes Stück dieses Kuchens bekommen könnten. Ich hatte ein Gefühl, dass Männer rohen Sex wollten. Und ich hatte recht.”

Wider Willen wurde er ein Kämpfer für die Meinungsfreiheit – und bezahlte dafür bitter

Doch solche Bilder in den prüden USA zu veröffentlichen, war nicht leicht. Unzählige Male wurde Flynt wegen Pornografie oder Obszönitäten vor Gericht gezerrt, kämpfte mit der religiösen Rechten. Meistens gewann er. Und wurde so ein Kämpfer wider Willen für den ersten Verfassungszusatz, der in den USA die Meinungsfreiheit regelt. 

So verklagte ihn etwa der Fernsehprediger Jerry Falwell 1983 wegen “emotionalem Stress” auf 45 Millionen Dollar: Der Hustler veröffentlichte eine Parodie, die den Geistlichen zeigt, wie er betrunken Sex mit seiner Mutter hatte. Letztendlich wurde der Fall 1988 vom Obersten Gerichtshof abgewiesen – und definierte so in den gesamten USA die noch heute gültigen Grenzen für Satire gegenüber öffentlichen Personen.

Wie sehr er mit diesen Positionen aneckte, musste er 1978 am eigenen Leib spüren: Als er ein Gerichtsgebäude in Atlanta verließ, in dem er wegen Pornografie angeklagt war, feuerte ein rechtsradikaler Scharfschütze zwei Mal auf Flynt. Er traf seinen Bauch und seine Wirbelsäule. Flynt überlebte querschnittgelähmt.

Flynt unterstützte auch die Öffnung der Ehe

Auch sonst war Flynt für seine liberalen Ansichten bekannt: Er befürwortete die Öffnung der Ehe, war ein Gegner der Todesstrafe. Flynt sprach sich 2003 gegen den Einmarsch der USA in den Irak aus. Und er rief eine Stiftung ins Leben, die nicht nur die Forschung über Querschnittslähmung unterstützen sollte, sondern auch den Kampf gegen Kindesmissbrauch und Jugendgewalt.

Als die Republikaner Bill Clinton 1984 wegen seiner Beziehung mit Monica Lewinsky stürzen wollten, bot Flynt über ein Inserat in der Washington Post eine Million Dollar für einen Beweis an, dass ein (republikanischer) Abgeordneter oder ein hochrangiges Regierungsmitglied ebenfalls eine außereheliche Beziehung hätten. Für Informationen, die zur Amtsenthebung von Donald Trump führten, offerierte er 2017 sogar zehn Millionen Dollar.

„Man muss die Larry Flynts dieser Welt tolerieren“

Heiliger war Flynt deshalb aber noch lange keiner: Seine älteste Tochter Tonya beschuldigte ihn 1998 in einem Buch, sie als Kind belästigt zu haben – was er immer bestritt. Die Feministin Gloria Steinem bezeichntete den Hustler-Gründer als “gewalttätigen, sadistischen Pornografen”. 

“Meine Position ist, dass man einen Preis dafür zahlen muss, in einer freien Gesellschaft zu leben, und dieser Preis ist die Tolerierung einiger Dinge, die man nicht mag”, sagte Flynt 1996 der Seattle Times: “Man muss die Larry Flynts dieser Welt tolerieren.” Flynt hinterlässt seine Ehefrau, fünf Kinder sowie zahlreiche Enkel und Urenkel.

Die mobile Version verlassen