Studie zeigt: Kampagnen wie „Es wird besser“ können Leben retten

Sujetbild: Schwule Jugendliche
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Präventionskampagnen wie die Video-Aktion “Es wird besser” können bei LGBTI-Jugendlichen tatsächlich zur Verhinderung von Suiziden beitragen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Suizidforschers Thomas Niederkrotenthaler von der Medizinischen Universität Wien, die vom Wissenschaftsfonds FWF gefördert wurde.

Queere Jugendliche haben ein ungleich höheres Suizid-Risiko

Suizid ist die zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen in Österreich – besonders gefährdet sind dabei jene, die während dieser Zeit feststellen, einer sexuellen Minderheit anzugehören: Internationale Studien zeigen, dass LGBT-Jugendliche ein bis zu sechs Mal höheres Suizidrisiko haben. So hatten auch von den 500 queeren Jugendlichen, die an der Studie teilgenommen haben, 18 Prozent angegeben, im Jahr davor einen Suizid versucht zu haben – wobei Niederkrotenthalerbetont, dass die Stichprobe nicht repräsentativ war. 

Den Jugendlichen wurden Videos der internationalen Kampagne “Es wird besser” gezeigt. Darin erzählen LGBTI-Personen über ihr Coming Out sowie die damals damit verbundenen Sorgen und Probleme, andere Prominente betonen ihre Unterstützung für die Community. So wollen sie Jugendlichen, die gerade in dieser Phase stecken, Zuversicht geben. Danach wollten Niederkrotenthaler und die Dissertantin Stefanie Kirchner wissen, ob diese Videos in dieser besonders verwundbaren Zielgruppe vorbeugend wirken können.

Die Selbstakzeptanz der Jugendlichen stieg, nachdem sie die Videos gesehen hatten

In der Studie konnten Niederkrotenthaler und Kirchner nachweisen, dass die Videos ihren Zweck erfüllen können: Bei jenen Jugendlichen, die depressiver waren, verbesserte sich die Selbstakzeptanz deutlich, nachdem sie Videos mit Personen gesehen hatten, mit denen sie sich identifizieren konnten. Auch ihre Suizidgefährdung verringerte sich. Besonders jugendliche Trans-Personen – jene Gruppe innerhalb der sexuellen Minderheiten, die ein besonders großes Suizidrisiko haben – fühlten sich von den Videos gut angesprochen. 

Der Studie zufolge können Jugendliche überdurchschnittlich von Personen profitieren, “die wirklich erzählen, wie es ihnen gegangen ist, wie sie tief unten waren und wie sie es geschafft haben, dass es dann besser wurde”. Es sei deshalb wichtig, dass nicht nur die Botschaft “Es wird besser” vermittelt werde, sondern auch tatsächlich in die Tiefe gegangen werde.

Die Verbesserungsvorschläge des Wissenschaftlers: “Nur selten geht es aber auch um andere Stressfaktoren, wie etwa suizidale Gedanken oder den Versuch, sich selbst zu töten. Wie es besser geworden ist, wird mal mehr, mal weniger konkret herausgearbeitet” – hier könnten zukünftige Videos ansetzen. Außerdem könnte auf professionelle Hilfsangebote verwiesen werden.

Wenn möglichst alle Gruppen in den Medien vorkommen, hilft das Jugendlichen

Für Niederkrotenthaler ist es wichtig, dass mediale Angebote maßgeschneidert sind und möglichst alle Gruppen repräsentieren”. Wenn sie sorgsam berichten, kann ein “Papageno-Effekt” eintreten, wie der Forscher schon 2010 festgestellt hat: Der Vogelfänger aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ will sich erhängen, als er befürchtet, seine Papagena nicht zu bekommen. In letzter Sekunde stürmen drei Knaben mit einem magischen Glockenspiel herein und fordern ihn auf, sein Leben nicht wegzuwerfen.

„Medien sind gerade für LGBTQI+-Jugendliche im Coming-out, also der Phase, wenn sie ihre Sexualität öffentlich machen und leben, sehr relevant. Ein geeignetes Video von einem Menschen, mit dem sie sich identifizieren, könnte daher so ein magisches Glockenspiel sein“, betont Thomas Niederkrotenthaler.

Die Kampagne “Es wird besser” wurde 2010 vom LGBTI-Aktivisten Dan Savage in den USA ins Leben gerufen, nachdem mehrere Jugendliche Suizid begangen hatten, weil sie wegen ihrer zugeschriebenen sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität gemobbt wurden. Seit 2013 gibt es auch einen österreichischen Ableger.