Mehr als 300 Priester in Österreich wollen weiter schwule und lesbische Paare segnen

„Aufruf zum Ungehorsam 2.0“: Seelsorger wollen Vorschrift des Vatikans ignorieren

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Dass der Vatikan seinen Priestern verboten hat, schwule und lesbische Paare zu trauen, sorgt innerhalb der Kirche für Unbehagen. Nun hat die Pfarrer-Initiative, eine Gruppe von rund 350 österreichischen Seelsorgern, in einer Presseaussendung unter dem Titel „Aufruf zum Ungehorsam 2.0“ angekündigt, dieses Verbot ignorieren zu wollen.

Geistliche „zutiefst entsetzt über das neue römische Dekret“

Die Mitglieder der Pfarrer-Initiative seien „zutiefst entsetzt über das neue römische Dekret, das die Segnung gleichgeschlechtlich liebender Paare untersagen will“, heißt es:  „Dieses Dekret stößt viele Christinnen und Christen vor den Kopf und vernebelt und diskreditiert die befreiende Botschaft Jesu“, machen die Priester in einer am Dienstag veröffentlichten Botschaft klar.

Die Wirklichkeit habe längst gezeigt, „dass in Liebe verbundene, gleichgeschlechtliche Paare sehr wohl auch kirchlich Gottes Segen feiern können“. Das Dekret versuche „den Geist vergangen gehoffter Zeiten wiederzubeleben“ und vergrößere so „den Spalt zwischen römischer Bürokratie und gelebter Kirche vor Ort noch weiter“. Sie kündigen an, auch weiterhin gleichgeschlechtliche Paare segnen zu wollen. „Eine Theologie auf der Höhe der Zeit begründet diese verantwortliche Praxis“, so die Geistlichen.

Für den Vatikan sind gleichgeschlechtliche Paare nicht „im Dienst der Pläne Gottes“

Am Montag hatte die Glaubenskongregation der römisch-katholischen Kirche in der Beantwortung einer Frage klargestellt, dass schwule und lesbische Paare nicht gesegnet werden könnten, weil sie nicht „im Dienst der Pläne Gottes“ seien. Auch hier widersprechen die Geistlichen: „Wir protestieren vehement dagegen, dass gleichgeschlechtlich liebenden Paaren unterstellt wird, nicht Teil des göttlichen Plans zu sein“, so die Priester und Diakone.

Die Pfarrer-Initiative wurde im April 2006 von sechs Priestern gegründet, ihr Sprecher ist Helmut Schüller. Sie machte erstmals im Jahr 2011 Schlagzeilen, als sie mit ihrem „Aufruf zum Ungehorsam“ unter anderem die Zulassung von Frauen und verheirateten Männern zum Priesteramt forderte. Heute hat die Initiative eigenen Angaben zufolge rund 350 Mitglieder in der römisch-katholischen Kirche sowie mehr als 3.400 Unterstützer:innen unter den Laien.

Auch innerhalb der österreichischen Amtskirche sorgte die Entscheidung der Glaubenskongregation für Gesprächsbedarf. Der Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler, innerhalb der Bischofskonferenz für Ehe und Familie zuständig, zeigte Verständnis für jene, die von dem Spruch enttäuscht seien. Er betonte, die Kirche wolle „allen schwulen, lesbischen und in ihrer Sexualität unsicheren Menschen ein Willkommen und eine spirituelle Heimat in der Kirche anbieten – und dies nicht erst dann, wenn sie enthaltsam leben“.