77-Jährigen Seelsorger getötet: Nun beginnt der Prozess

Zwei Tatverdächtige sitzen seit Herbst in Berlin in Untersuchungshaft

Reinhold Zuber
Polizei Berlin

Es war ein Verbrechen, das nicht nur Berlin-Moabit erschütterte: Am 4. Juli 2020 wurde die Leiche des offen schwul lebenden Seelsorgers Reinhold Zuber von besorgten Nachbarn in seiner Erdgeschoßwohnung in der Thomasiusstraße aufgefunden. Wie die Obduktion ergab, starb er „durch stumpfe Gewalt gegen den Oberkörper“.

Zwei Monate nach der Tat konnten in Rumänien zwei Verdächtige festgenommen werden. Ab morgen müssen sie sich vor dem Berliner Landgericht wegen Mordes verantworten. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.

Bei den Nachbarn war Reinhold Zuber sehr beliebt – doch er hatte ein Geheimnis

Der 77 Jahre alte Zuber war bei seinen Nachbarn sehr beliebt: Sie beschreiben den ehemaligen evangelischen Pastor als „herzensfroh“ und sehr freundlich. In einem Fenster seiner Parterrewohnung habe er als „offene Ausstellung“ Kunst aufgehängt. Mit Kunsthandel verdiente er auch nebenher sein Geld. „Er war in der Aids-Hilfe aktiv, besuchte Kranke auf der Schwerpunktstation, arbeitete als Seelsorger“, erinnerte sich ein Nachbar nach der Tat.

Doch das war nur die halbe Wahrheit. Seinen Job als Stadtmissionar in Schöneberg verlor Zuber 1983 wegen des Besitzes und Handels mit Drogen, und der Berliner Aids-Hilfe war der umtriebige Senior nicht bekannt. Dort weiß man nichts über das „AIDS Projekt Begegnungsstätte Tiergarten“, das auf dem Briefkasten des Ex-Pastors angegeben war.

Kostete Zuber die „intime Beziehung“ mit einem jungen Rumänen das Leben?

Nachts streifte er hingegen durch die Bars und Treffpunkte des „kriminellen Stricher-Millieus“, wie es der Berliner Kurier nannte – und dort lernte er 2018 auch Constantin C. kennen. Der heute 24-jährige Rumäne ging mit dem Pastor eine „enge intime Beziehung“ ein, wie die Bild-Zeitung schreibt.

Zuber soll ihm nach Bild-Informationen auch 40.000 Euro gegeben haben, damit sich dessen Familie auch ein Haus in Rumänien kaufen konnte. Doch die Zuneigung war offenbar sehr einseitig. Und so soll Constantin C. der Anklage zufolge mit seinem Komplizen, dem 21-jährigen Vandam G., den Senior am 1. Juli 2020 überfallen, misshandelt und letztendlich ermordet haben.

„Die Anklage geht von Mord aus“

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Männer in der Wohnung Bargeld und wertvolle Kunstgegenstände finden wollten. Nach der Tat setzten sie sich nach Rumänien ab. Mit DNA-Spuren am Tatort wurden die Ermittler auf die beiden Beschuldigten aufmerksam.

Die dortigen Behörden verhafteten die beiden jungen Männer am 21. August. Seit ihrer Auslieferung sitzen sie in Berlin in Untersuchungshaft. Zu den Vorwürfen gegen sie schweigen sie. Dafür erklärt eine Sprecherin des Berliner Landgerichts: „Die Anklage geht von Mord aus.“ Der Prozess dazu beginnt morgen.