Seelsorger getötet: Angeklagte beteuern ihre Unschuld

Noch einige offene Fragen um den Tod von Reinhold Zuber

Reinhold Zuber
Polizei Berlin

Vor der Jugendkammer des Berliner Landgerichts stehen seit gestern der 21 Jahre alte Vandam G. und der drei Jahre ältere Cristian-Cosmin C. vor Gericht. Den beiden rumänischen Staatsbürgern wirft die Staatsanwaltschaft vor, den 77 Jahre alten Seelsorger Reinhold Zuber aus Habgier geschlagen, getreten und schließlich mit einem Kissen erstickt zu haben. Die Anklage lautet auf Mord. Die Angeklagten bestreiten die Tat, es gilt die Unschuldsvermutung.

Ein Angeklagter soll eine intime Beziehung mit dem Opfer gehabt haben, mit dem anderen soll er für Sex gehabt haben

Cristian-Cosmin C. soll seit längerem eine intime Beziehung mit dem Opfer unterhalten haben. Vandam G., der sich als Stricher im Fuggerkiez betätigt hat, gibt vor Gericht zu, dort von dem 77-Jährigen auf dem Spielplatz angesprochen worden zu sein. Man einigte sich, doch im Schlafzimmer soll Zuber dann mehr gewollt haben als vereinbart. “Ich bin nicht schwul, das war zu viel, ich zog mich an. Er lief mir hinterher, packte und kratzte mich”, so Vandam G. vor Gericht. Deshalb sei seine DNA unter den Fingernägeln des Opfers. Als er den Pastor nach etwa einer Stunde wieder verlassen habe, hätte dieser noch gelebt. 

Die Anklage wirft den beiden Männern vor, einen unbekannten dritten Komplizen am 30. Juni oder 1. Juli in die 200 Quadratmeter große Erdgeschoßwohnung von Zuber gelassen zu haben. Der ehemalige Geistliche soll seinen Lebensunterhalt unter anderem mit Kunsthandel verdient haben, der Staatsanwaltschaft zufolge sollen die Männer in der Wohnung des Opfers in Berlin-Moabit viel Bargeld und Wertgegenstände erwartet haben. Die beiden Angeklagten wurden schließlich in Rumänien verhaftet.

Viele Fragen nach den Umständen des Todes bleiben offen

Vandam G. soll den Seelsorger bei dem Angriff geschlagen und getreten haben – dann wurde ihm ein Kissen aufs Gesicht gedrückt. Während Zuber erstickte, soll Cristian-Cosmin C. nach Beute gesucht haben – „wozu er auch Teppiche entfernte und Bodenplatten herausbrach“, wie die Staatsanwaltschaft schildert. Doch C. schweigt vor Gericht, und G. lässt über seinen Anwalt ausrichten: „Ich habe Reinhold Zuber nicht getötet. Ich bin unschuldig.“

Dabei sind in dem Fall noch viele Fragen offen – etwa, warum die Täter mehrere 100-Euro-Scheine zurückließen, die offen auf einem Tisch lagen. Und auch die Lebensgeschichte des Geistlichen weist viele Lücken auf: So war er zwar von 1973 bis 1983 als Stadtmissionar tätig, verlor aber seinen Posten, als er wegen des Handels und des Besitzes von Drogen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Auf seinem Briefkasten stand “ AIDS Projekt Begegnungsstätte Tiergarten” – doch von dem hat bei der Berliner Aids-Hilfe noch nie etwas gehört.

Der Prozess soll am Mittwoch fortgesetzt werden. Insgesamt sind 17 Verhandlungstage geplant. Ein Urteil wird am 24. Juni erwartet. Die Höchststrafe für die Angeklagten: Lebenslang wegen Mordes.