Promis unter Palmen: Sat.1 macht mit Schwulenhass Quote – und nennt es „nicht wegschauen“

Kritik am Sender, weil er die Schimpftiraden von Prinz Marcus gegen Katy Bähm praktisch unkommentiert stehen ließ

Prinz Marcus von Anhalt
Sat.1

Einen trans- und schwulenfeindlichen Ausraster zur besten Sendezeit gab es gestern, Montag, bei der Auftaktfolge der Trash-Reality-Serie „Promis unter Palmen“: Der ehemalige Bordellbesitzer Prinz Marcus von Anhalt, ganz bürgerlich geboren als Marcus Eberhardt, attackierte die Berliner Drag-Queen Katy Bähm wegen ihrer Heterosexualität – nachdem er zuvor schon über eine vergangene Beziehung mit einer trans Frau gelästert hatte.

Schon zu Beginn lästerte der Puff-Prinz über „Ladyboys“ und „Umgebaute“

Schon beim Willkommensdrink wurde der Adoptiv-Prinz eindeutig: Als Teenager hatte er in Berlin eine Beziehung mit einem „Ladyboy“ – und er habe das nie gemerkt, weil er damals noch keinen Oralsex vollzog, plauderte der 54-Jährige ungefragt freimütig aus dem Nähkästchen. Am tollsten an dieser Bezeihung sei gewesen, dass seine Freundin immer von zahlreichen anderen schönen Frauen begleitet wurde – auch alles „Umgebaute“, wie sich Prinz Markus ausdrückte.

Bei den anderen Teilnehmer:innen führte diese Erzählung zwar zu Unbehagen, doch wirkliche Reaktionen darauf wurden nicht gezeigt. Das änderte sich am Abend – als ein sichtlich betrunkener Prinz Markus wegen ihrer sexuellen Orientierung auf Katy Bähm losging: „Aber du bist doch eine Schwuchtel“, sagte er ihr beim Abendessen ins Gesicht. „Es ist eklig, wenn zwei Männer sich küssen . Fakt, das ist so, basta“, erklärte er später: „Du kannst Travestiekünstler sein, steh ich drauf, find ich geil, ist dein Job. Aber du musst ’ne Frau fi**en und keinen Mann.“

„Du musst ’ne Frau fi**en und keinen Mann“, empfahl Marcus Katy Bähm

Die anderen Teilnehmer protestierten scharf, kritisierten Prinz Marcus, empörten sich – doch eine konsequente Reaktion blieb aus. Ausgerechnet Willy Herren, der in anderen Formaten nicht unbedingt als „Kämpfer für Anständigkeit“, so der Spiegel, aufgefallen war, tritt dem Puff-Prinzen entschieden entgegen: „Marcus, bei allem Respekt, das hast du nicht zu sagen!“, macht er klar.

Katy Bähm war von der Situation überfordert und zutiefst verletzt: „Normalerweise würde ich mir so etwas niemals gefallen lassen. Ich war wirklich geschockt“, sagte sie anschließend unter Tränen im Einzelinterview. „Wir brauchen diese Aufklärung auf dieser Welt“, so die 28-Jährige: „Deswegen ist es auch real, was hier passiert ist. Das ist das, was die Community Tag für Tag erlebt. Wenn es dafür sorgt, dass draußen ein klein bisschen eine bessere Welt herrscht, bin ich happy.“

Nicht nur die Entschuldigung von Prinz Marcus bleibt halbherzig

Am nächsten Morgen gab es von den Prinzen eine halbherzige Entschuldigung – wobei er betonte, grundsätzlich bei seiner Meinung zu bleiben. „Ich hab‘ sehr viele schwule Freunde, aber die überreden mich nicht, dass ich schwul sein besser finde als hetero. Die sollen machen, was sie wollen, ich akzeptiere das. Die sollen aber auch nicht vor meinen Augen rumknutschen miteinander und so Zeugs. Kann ich alles nicht brauchen“, erklärt er. Und das war’s dann auch schon. 

Wie verwaschen die Reaktionen der Promis waren, zeigte sich bei der Nominierung für den Auszug – denn trotz der trans- und homophoben Ausraster hielten zwei der Mitbewohner:innen Prinz Marcus die Stange: Unter anderem DJane Giulia Siegel stimmten gegen einen Auszug des Protz-Prinzen, ohne die entscheidende Stimme von Katy Bähm als Teamkapitän hätte er in dem Luxushaus weiter pöbeln dürfen.

Auch die Rechtfertigung von Sat.1 wirkt eher wie ein Lippenbekenntnis

Dass Sat.1 die Ausraster von Prinz Marcus unkommentiert – und ohne direkte Konsequenzen für den Protagonisten – sendet, sorgt in der deutschen Medienlandschaft für scharfe Kritik. Sat.1 habe aus den „ausgiebigen Diskussionen“ um die letztjährige Staffel von „Promis unter Palmen“ „nichts gelernt und sieht völlig bewusst weiterhin kein Problem damit, mit Homophobie und ganz allgemein mit Menschenverachtung Quote und Geld zu machen“, schreibt beispielsweise der Spiegel.

Und auch die Hamburger Drag Queen Olivia Jones bezieht auf Facebook Stellung zu dem Vorfall. Sie schrieb Prinz Marcus:„Wenn Homosexuelle wie ich, Katy oder andere, sich durch Menschen wie Dich und Meinungen wie Deine ‚gezwungen‘ fühlen, Zuneigung in der Öffentlichkeit nicht zu zeigen, Angst zu haben, sich zu schämen, nur weil andere damit ein Problem haben oder das als unnatürlich brandmarken — dann sind wir bald wieder in der Steinzeit.“

Bei Sat.1 beschränken sich die Reaktionen bis jetzt auf einige Tweets, in denen die Äußerungen von Prinz Marcus verurteilt werden. Man teile die „homophoben Aussagen“ des 54-Jährigen nicht. „Für uns gilt: Alle Menschen sind gleich“, lässt der Sender ausrichten – es klingt wie Hohn. In der After-Show versucht Jochen Bendel, die Ausstrahlung des Vorfalls als Aufklärung zu betrachten. „Wenn man sowas rausschneidet, ist das gleichbedeutend mit Wegschauen“, erklärt er. Eine klare Entschuldigung der Geschäftsführung, sowie einen Plan, wie solche verbalen Unfälle nie wieder auf Sendung gehen werden, bleiben die Verantwortlichen bis jetzt allerdings schuldig.