Neos wollen „Homo-Heilern“ das Handwerk legen

In Deutschland schon Gesetz - in Österreich gibt es für das Gesundheitsministerium keinen Handlungsbedarf

Symbolbild: Mädchen beim Händchenhalten
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Auch die Neos fordern von der Bundesregierung ein Verbot von „Konversionstherapien“, die vorgeben, LGBTI-Personen von ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechteridentität zu „heilen“. Ein entsprechender Entschließungsantrag wurde schon im Juni 2019 einstimmig im Nationalrat angenommen – doch ein entsprechendes Gesetz gibt es noch immer nicht, kritisiert LGBTIQ+-Sprecher Yannick Shetty – und startet nun eine eigene Petition.

LGBTI-Jugendliche brauchen besonderen Schutz

„Gerade im jugendlichen Alter sind viele mitten in der sexuellen Selbstfindung. Jugendliche brauchen deswegen besonderen Schutz“, sagt Shetty: Es sei bekannt, dass solche Versuche massive Folgeschäden für die betroffenen Kinder und Jugendliche bedeuten, dabei sei das Suizidrisiko unter LGBTI-Jugendlichen ohnehin schon fünfmal höher als unter heterosexuellen Jugendlichen.

Die Kritik geht vor allem in Richtung der Grünen. Diese hätten in der Regierung zwar nicht unbedingt ihre Ideale über Bord geworfen, aber sie hätten der Community gezeigt, dass sie keine verlässlichen Partner sind. In Deutschland wurde ein entsprechendes Gesetz unter einem (offen schwulen) konservativen Gesundheitsminister verabschiedet. „Da drohen teilweise massive Strafen, für das Bewerben, das In-Verkehr-Bringen und das Durchführen solcher Therapien“, so Shetty bei einer Pressekonferenz.

In Deutschland sind „Konversionstherapien“ schon verboten

Unterstützung bekommt er vom Wiener Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr. „Ich halte eine Abschaffung bzw. Verbot von Konversionstherapien für längst überfällig. In Deutschland ist es passiert, Österreich hinkt wieder einmal hinterher“, so der Wiener Neos-Chef. Schon allein der Begriff „Konversionstherapie“ sei falsch – es handle sich vielmehr um „Machtmissbrauch gegenüber Jugendlichen“, so Wiederkehr. Man wisse, „dass solche Umpolungsversuche massive Folgeschäden haben“, ergänzt Shetty.

„Liebe kennt keine Pole“
Petition der Neos

Um auf die Regierung den Druck zu erhöhen, solche „Umpolungstherapien“ zu verbieten, haben die Neos nun eine eigene Online-Petition dazu gestartet, bei der die Forderung nach einem Verbot dieser Behandlungen unterstützt werden kann. Mit den „mittelalterlichen Pseudo-Therapien“ werde LGBTI-Personen eingeredet, deren sexuelle Orientierung oder Geschlechteridentität sei „krank“ und könne therapiert werden – „was nicht nur gänzlich falsch ist, sondern bei den Betroffenen oft lebenslanges Leid in Form von Depressionen, Selbsthass oder Selbstmordversuchen verursacht“, heißt es in der Petition.

Es braucht auch sichere Orte für queere Jugendliche in den Bundesländern

Neben einem Ende der Konversionstherapien fordern die Neos unter anderem die Schaffung queerer Jugendzentren in ganz Österreich. Viele LGBTI-Jugendliche hätten während der Coronakrise ihre Schutzräume verloren, so Wiederkehr. Er verwies darauf, dass Wien gerade an seinem ersten queeren Jugendzentrum arbeite – und betonte, es gehe darum, einen Safe Space für die Betroffenen zu schaffen.

Außerdem wollen die Neos unter anderem den Ausbau des Beratungsangebotes für Jugendliche und eine Verankerung von LGBTI-Inhalten im Schulunterricht. „Dabei geht es nicht um Indoktrinierung“, sondern um Information, so Shetty, der auch einen entsprechenden Antrag im Nationalrat ankündigte. Weiters fordert der Neos-Abgeordnete weitere Maßnahmen gegen Homophobie, etwa im Sport, in Schulen oder bei der Polizei.