Spanien trauert um Samuel: Totgeprügelt, weil er schwul war

Bei einer Solidaritätskundgebung in Madrid prügelte die Polizei auf Demonstranten ein

Samuel Luiz
privat

Wut und Trauer gibt es in der spanischen Community nach dem Tod des 24-jährigen Samuel Luiz Muñiz. Der Krankenpfleger wurde letzten Samstag in den frühen Morgenstunden zu Tode geprügelt – vermutlich, weil er schwul war. Nun kommt es in ganz Spanien zu Solidaritätskundgebungen. 

Zuerst beschimpften die Angreifer den 24-Jährigen als Schwuchtel, dann schlugen sie zu

Es war gegen drei Uhr früh, vor dem “Andén Pub” in der Avenida de Buenos Aires in A Coruña, einer Stadt im Nordwesten Spaniens, als Samuel per Videoanruf mit einem Bekannten gesprochen hatte. Eine Gruppe glaubte aber offenbar, dass er versuchte, sie aufzunehmen. Sie beschimpften ihn als Schwuchtel, berichten Freunde der spanischen Tageszeitung El Mundo, dann schlugen sie zu. Die Angreifer konnten unerkannt entkommen, sie wurden bis jetzt noch nicht gefasst. Rettungskräfte versuchten, Samuel zu retten – doch er erlag wenig später im Krankenhaus an seinen Verletzungen. 

Samuels Freunde sind sich sicher: Der 24-Jährige ist angegriffen worden, weil er schwul war. Sozialministerin Ione Belarra bezeichnete Samuels Tod ebenfalls als Hassverbrechen – auch, wenn das bis jetzt noch nicht eindeutig bewiesen ist. „Meine ganze Liebe und Anteilnahme für Samuels Familie und Freunde. Und meine ganze Verurteilung dieses Hassverbrechens. Wir wollen ein Land frei von Gewalt, in dem sich jeder frei fühlt, so zu sein, wie er ist“, twitterte sie. 

Polizei und Politik warnen vor voreiligen Schlüssen

Die Polizei bittet um mehr Zeit für Ermittlungen und überprüft derzeit Aufnahmen der Überwachungskameras und befragt Augenzeugen, die sich zum Zeitpunkt der Tat vor einem Nachtclub aufhielten. „Wir sind noch in der Anfangsphase, nur die Ermittlungen werden uns sagen, ob es ein homophobes Verbrechen war oder nicht“, betont José Minones, der Vertreter der spanischen Regierung in Galizien.  

Der Hashtag “#JusticiaParaSamuel” (Gerechtigkeit für Samuel) verbreitete sich wie ein Lauffeuer. “Dies war eine grausame und rücksichtslose Tat. Spanien wird das nicht tolerieren”, betonte Ministerpräsident Pedro Sanchez auf Twitter. In Madrid und zahlreichen anderen Städten Spaniens gingen nach dem Aufruf von LGBTI-Organisationen hunderte Menschen auf die Straßen, um, gegen Homophobie zu demonstrieren.  

In Madrid endete die Demonstration in Polizeigewalt

Doch in Madrid endete die Demonstration auf dem zentralen Puerta del Sol gewaltsam: Auf Videobildern ist zu sehen, wie die Polizei ohne ersichtlichen Grund auf Demonstrant:innen einprügelt. Auf Twitter forderte Mónica Garcia, Oppositionsführerin und Chefin der linken Partei Más Madrid, eine Erklärung der Polizei und der konservativen Regionalregierung. Der Polizeieinsatz sei unverhältnismäßig hart gewesen, so Garcia. Auch öffentlich-rechtlichen Sender TVE wurde kritisiert, dass die Polizei offenbar auf dem rechten Auge blind sei, gegen linke Demonstrierende aber schnell hart vorgehe. 

Die Polizei begründete ihr hartes Vorgehen damit, dass sie von einigen Teilnehmer:innen der Demonstration mit Gegenständen beworfen worden sei. Außerdem habe es einige Zerstörungen im öffentlichen Raum gegeben. Das ist auf den Videobildern allerdings nicht zu sehen. Die Regionalregierung hat mittlerweile angekündigt, den Vorfall untersuchen zu wollen. Nach Informationen von TVE ermittelt auch eine von der Regierung eingesetzte Delegation in der Sache.