Denkmal für homosexuelle NS-Opfer muss neu ausgeschrieben werden

Weil nicht klar war, wann das Mahnmal fertig werden könnte - nun gibt's eine neue Ausschreibung

Denkmal für die Männer und Frauen, die Opfer der Homosexuellen-Verfolgung in der NS-Zeit wurden
Marc Quinn

Knalleffekt beim Denkmal für homosexuelle NS-Opfer in Wien: Der britische Künstler Marc Quinn, der den Wettbewerb gewonnen hatte und dessen Entwurf im Resselpark realisiert werden sollte, zieht diesen Entwurf zurück. Es ist schon das zweite Mal, dass der Versuch, eine Gedenkstätte für homosexuelle Opfern des Nationalsozialismus zu errichten, scheitert. Wien hat damit auch mehr als 15 Jahre nach den ersten Ankündigungen noch immer keinen entsprechenden Gedenkort. 

Weil nicht klar ist, wann das Mahnmal fertig werden könnte, zieht der Künstler das Konzept zurück

„Angesichts der aktuellen globalen Lage und im Bewusstsein, wie viele Ressourcen in die Umsetzung des Gesamtkonzepts des Kunstwerks einfließen, bin ich nicht in der Lage mit Gewissheit zu sagen, wann eine Fertigstellung möglich sein wird. Mit Bedauern und meinem größten Respekt vor allen am Projekt beteiligten Personen ziehe ich mich zurück, damit die Stadt Wien den nächsten Schritt zur Umsetzung dieses wichtigen Denkmals setzen kann“, heißt es in der offiziellen Stellungnahme des Künstlers. 

Quinns Entwurf zeigte zwei Paare zärtlich aufeinander liegender Hände – einerseits von zwei Männern, andererseits von zwei Frauen. Durch die verspiegelten Schnittflächen der Handgelenke und der Tischplatte wären die Betrachte:innen Teil des Kunstwerks geworden und hätten sich mit gleichgeschlechtlicher Liebe und ihrer Verfolgung auseinandersetzen müssen. Der Entwurf wurde im Juli 2020 präsentiert – mit einiger Verspätung zum ursprünglichen Plan, der eine Entscheidung schon zwei Monate zuvor vorsah. 

Danach hätte sofort mit der Planung der Umsetzung begonnen werden – doch die Corona-Krise hat diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der traurige Schlusspunkt dieses Kapitels ist nun der Rückzug Quinns aus dem Projekt. 

Verständnis aus der Wiener Kulturpolitik

Die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler bedauert die Entscheidung Quinns. “Ein Kunstwerk ist immer eng mit dem ihm zugrundeliegenden künstlerischen Prozess verknüpft. Kann dieser künstlerische Prozess nicht stattfinden, aus welchen Gründen immer, dann wirkt sich das auch auf das originäre Kunstwerk aus. Insofern kann ich die Haltung des Künstlers nachvollziehen und es spricht auch für seine Integrität, wenn er unter geänderten Umständen, verursacht durch die weltweite Situation, seine Idee zurückzieht”, sagt sie. 

Noch keine Stellungnahme zum Platzen des Homo-Mahnmals gibt es von Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr. Er hat in seiner Aufgabe als Antidiskriminierungs-Stadtrat dieses Projekt von seinem Vorgänger Jürgen Czernohorsky “geerbt”, der das Projekt gemeinsam mit Kaup-Hasler im Juni 2019 angekündigt hatte

Nun gibt es einen neuen Wettbewerb

Damit geht alles wieder zurück an den Start: Die für das Denkmal verantwortlichen Stellen, die Kunst im öffentlichen Raum GmbH (KÖR) und die Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen (WASt), werden so schnell wie möglich eine neue Ausschreibung starten. 

Die Unterlagen dafür sollen ab Ende September zur Verfügung stehen. Auch diesmal wird letztendlich eine mehrköpfige internationale Jury ein Siegerprojekt auswählen. Das Gesamtbudget von 300.000 Euro wird von der Stadt Wien und dem Nationalfonds der Republik Österreich zur Verfügung gestellt. 

Damit scheitert ein Mahnmal für homosexuelle NS-Opfer zum zweiten Mal

Damit wiederholt sich eine peinliche Geschichte rund um das Gedenken gleichgeschlechtlich liebender NS-Opfer: Im Jahr 2006 gab es schon einmal einen Wettbewerb für ein solches Merkmal, damals sollte es am Morzinplatz stehen, wo während des Nationalsozialismus das Gestapo-Hauptquartier mit seinen Kerkern war.  

Gewonnen hatte diesen Wettbewerb der niederösterreichische Künstler Hans Kupelwieser.  Sein Entwurf, ein 20 mal 20 Meter großes Becken mit pinkem Wasser und dem Schriftzug „Que(e)r“, erwies sich allerdings nach der Kür als technisch nicht umsetzbar. In den Jahren 2010 bis 2015 hat KÖR deshalb jährlich wechselnde temporäre Mahnmale installiert, die nicht immer leicht zu vermitteln waren.