Feiger Anschlag auf Frankfurter Teddybären-Shop

Hakenkreuz und Phallussymbole: Der Besitzer und sein Mann lassen sich nicht einschüchtern

Polizei
Symbolbild - Fotolia

Einen offensichtlich schwulenfeindlichen Anschlag hat es in der Nacht auf Mittwoch mitten im Stadtzentrum von Frankfurt gegeben: Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) berichtet, wurden die Scheiben des „Teddy-Paradies“, ein Traditionsgeschäft am Römerberg, mit einem Hakenkreuz und zwei Phallussymbolen beschmiert. Der hessische Staatsschutz ermittelt.

„Von den Schmierereien lasse ich mich nicht abschrecken“

„Das war ganz klar ein homophober Angriff“, ist sich Michael Gliessner, der das Geschäft mit seinem Ehemann Volker führt, sicher. Denn auch die Regenbogenflagge, die neben der Eingangstüre hängt, wurde mit Farbe besprüht. Abschrecken lässt sich der Geschäftsmann von den Vandalen aber nicht. Ein Phallussymbol neben der Eingangstüre hat er mit einem Teddy in Lebensgröße verdeckt. „Von den Schmierereien lasse ich mich nicht abschrecken“, gibt er sich kämpferisch.

Doch durch Attacken wie diese fühlt sich Gliessner hilflos: Wie er der F.A.Z. sagt, habe er in jüngster Zeit das Gefühl, dass sich homophobe Tendenzen in der Gesellschhaft wieder ausbreiteten. Er sei besorgt, dass die Toleranz in unserer Gesellschaft wieder rückläufig sei. Den Angriff auf sein Geschäft kann er nicht verstehen: „Das ist total absurd, wenn man mal darüber nachdenkt, wofür so ein Teddy steht. Das hat was mit Liebe und Freundschaft zu tun“, so Gliessner.

Vor sechs Jahren wurde sein Geschäft schon einmal mit schwulenfeindlichen Parolen beschmiert. Damals hat die Stadt die Kosten für die Reinigung übernommen. Darauf hofft Gliessner auch jetzt – schließlich hat die Corona-Pandemie auch das „Teddy-Paradies“ nicht verschont, die Verkaufszahlen hätten sich ungefähr halbiert.

Nun ermitteln Polizei und Staatsschutz

Die Frankfurter Polizei ermittelt nun wegen Sachbeschädigung und der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole. Unterstützung bekommen die Ermittler:innen vom hessischen Staatsschutz – weil es sich wegen des Hakenkreuzes um eine politisch motivierte Tat handeln könnte.

Das „Teddy-Paradies“ ist eine Frankfurter Institution: Gliessner verkauft hier seit 1988 Stoffbären in allen Formen und Größen. Eigenen Angaben zufolge bietet das Geschäft Europas größte Auswahl an Stoffbären. Selbst Queen Elizabeth besitzt ein Exemplar: Bei ihrem Staatsbesuch im Jahr 2015 bekam sie einen „Äppelwoi-Teddy“ überreicht. Im Jahr 2019 besuchte die spanische Königin Sofia einen Stand des Teddy-Paradieses am Weihnachtsmarkt.