LGBTI-Aktivist aus Georgien auf Innsbrucker Altartuch

In seiner Heimat würde er für das Bild getötet werden, sagt der Aktivist

Altarbild
Diözese Innsbruck

Ungewohnter Anblick für die Besucher der Innsbrucker Universitätskirche in der bald zu Ende gehenden Fastenzeit: Am Altartuch prangt das Foto eines halbnackten georgischen LGBTI-Aktivisten und Künstlers – der von der Aktion „überrascht und glücklich“ ist.

Das Foto stammt aus einer Serie, welche die verborgene queere Szene von Tiflis zeigt

Das Foto der österreichischen Fotografin Carmen Brucic zeigt David Apakidze. Der 23-Jährige mit georgischen und ukrainischen Wurzeln hat seine Augen geschlossen und liegt mit kurzen Haaren nacktem Oberkörper auf einer Decke. Die Haare hat er sich letzten Juli nach den gewalttätigen Übergriffen auf die geplante Pride-Parade in Tiflis abrasiert – aus Angst, auf der Straße als homosexuell erkannt und angefeindet zu werden. 

Das Bild mit dem Titel „tired?“ ist Teil der Serie „Private Stages“. Brucic hat mit dieser Serie die queere Szene und ihre versteckten sicheren Räume der georgischen Hauptstadt Tiflis eingefangen – wenige Tage, nachdem die erste Pride des Landes verboten wurde und der rechte Mob von der orthodoxen Kirche angefeuert Jagd auf Angehörige sexueller Minderheiten gemacht hatten.

Bischof Glettler unterstützt das ungewöhnliche Fastentuch

Dass dieses Foto nun der zentrale Anblick in einer Kirche ist, freut Apakidze. „In meiner Heimat Georgien sieht die Welt ganz anders aus: Wer hier solch ein Bild in einer Kirche aufhängen würde, würde getötet werden“, zitiert ihn Kathpress : „Georgien ist ein homophobes Land, doch es verändert sich“, erklärt er: „Russland versucht das aber zu verhindern.“

Unterstützung für die ungewöhnliche Wahl des Fastentuches gibt es vom Innsbrucker Bischof Hermann Glettler. Die Körperhaltung Apakidzes drücke gleichzeitig Erschöpfung und Widerstand aus, der Arm zeige gewissermaßen ein „V“ wie für „Victory“ – laut Glettler bildet diese Ambivalenz „ein ganz starkes Fasten- und Ostersymbol“.

Das Fastentuch verdeckt den Altar seit Aschermittwoch. Am Karsamstag wird es traditionellerweise wieder entfernt.