Attentat in Oslo hatte islamistischen Hintergrund – Identität der Opfer bekannt

In Wien findet morgen eine Gedenkveranstaltung statt

Symbolbild: Regenbogenflagge
Symbolbild - Adobe Stock

Nach dem Anschlag auf eine Schwulenbar in Oslo in der Nacht auf Samstag gehen die norwegischen Ermittler:innen von einem islamistischen Terroranschlag aus. Mittlerweile wurden die Identitäten des mutmaßlichen Attentäters und der Getöteten bekanntgegeben. Morgen soll auch in Wien eine Gedenkkundgebung vor der norwegischen Botschaft stattfinden.

Ein 42-jähriger Islamist gilt als dringend tatverdächtig

Als dringend tatverdächtig gilt der 42 Jahre alte Zainar M. Der norwegische Staatsbürger iranischer Herkunft soll in der Nacht von Freitag auf Samstag im beliebten Schwulenclub „London Pub“ zwei Männer erschossen und mindestens 21 Menschen verletzt haben. Zeugen zufolge schoss der Tatverdächtige auch auf der Straße vor dem Club und in einem benachbarten Jazz-Club. Er konnte unweit vom Tatort festgenommen werden.

Dem für die Terrorabwehr zuständigen Inlandsgeheimdienst PST war M. bereits seit 2015 wegen des Verdachts bekannt, ein milianter Islamist zu sein. Auch der Polizei war er wegen kleinerer Vergehen wie dem Tragen eines Messers oder Drogenbesitzes bekannt. Er soll auch in psychiatrischer Behandlung gewesen sein.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der 42-Jährige als Einzeltäter gehandelt hat. Bis jetzt konnte ihn die Polizei noch nicht befragen. Er möchte, dass die Vernehmung öffentlich ausgestrahlt wird. Seinem Anwalt zufolge befürchtet er, dass die Polizei seine Aussagen manipulieren würde. Die Polizei hat diese Forderung abgelehnt.

Eines der Opfer hatte erst vor wenigen Tagen Geburtstag

Unterdessen wurde auch die Identität der beiden Opfer bekanntgegeben: Es handelt sich dabei um den 60 Jahre alten Kaare H. aus Bærum und Jon I., der nur wenige Tage vor dem Anschlag seinen 54. Geburtstag gefeiert hatte. Die Gemeinde Bærum hat bereits angekündigt, zum Gedenken an H. die Regenbogenflaggen eine Woche länger wehen zu lassen.

Der Anschlag am Vorabend der Oslo Pride, die daraufhin abgesagt wurde, erschütterte ganz Norwegen. König Harald erklärte, er und die königliche Familie seien erschüttert über den Anschlag. „Wir müssen zusammenstehen und unsere Werte verteidigen: Freiheit, Vielfalt und gegenseitigen Respekt“, so der Monarch.

Am Samstagnachmittag haben Kronprinz Haakon von Norwegen und Ministerpräsident Jonas Gahr Støre den Tatort besucht und einen Blumenstrauß niedergelegt. Auch Kronprinzessin Mette-Marit und mehrere Mitglieder der norwegischen Regierung waren vor Ort. Das Glockenspiel des Rathauses spielte als Reminiszenz an die Regenbogenflagge „Somewhere over the Rainbow“.

Die muslimischen Verbände in Norwegen distanzieren sich von der Tat

Auch die muslimischen Verbände Norwegens distanzieren sich von der Tat. Der Islamische Rat von Norwegen schreibt auf Facebook, man nehme „vom Töten unschuldiger Menschenleben absolut Abstand“. Die Verbände betonen, dass es sich um die Tat eines extremistischen Einzeltäters handelt und betonen, dass diese nicht mit Muslimen oder dem Islam in Verbindung gebracht werden könne.

In Wien wird am Dienstag den Opfern des Anschlags in Oslo gedacht: Um 18.00 Uhr beginnt eine Mahnwache gegenüber der norwegischen Botschaft in der Reisnerstraße im 3. Wiener Gemeindebezirk. Unter dem Motto „We stand with Oslo“ drückt die Wiener Community ihr tiefempfundenes Mitgefühl und ihr Beileid aus.

Der Anschlag auf das „London Pub“ in Oslo weckt Erinnerungen an ähnliche Anschläge: So hatte 2016 ein Islamist einen Anschlag auf das „Pulse“ in Orlando im US-Bundesstaat Florida verübt. Dabei starben 49 Menschen, 58 weitere wurden verletzt. Im Jahr 1999 hatte der Neonazi David Copeland ein Nagelbomben-Attentat auf das Londoner Schwulen-Pub „Admiral Duncan“ verübt, bei dem drei Menschen starben und 70 verletzt wurden.