Donnerstag, 30. Mai 2024
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„Eismayer“: Die Geschichte des härtesten Ausbildners des Bundesheers

Ein neues filmisches Meisterwerk aus Österreich

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Der Film von Regisseur David Wagner basiert auf einer wahren Geschichte – der von Vizeleutnant Charles Eismayer, gespielt von Gerhard Liebmann. Er gilt als der gefürchtetste Ausbildner im österreichischen Bundesheer. Was keiner weiß: Eismayer führt ein Doppelleben – als Vorzeigemacho mit Familie in der Öffentlichkeit, und als Schwuler im Geheimen, vor seiner Frau, dem Sohn und den Kameraden verborgen.

Eine heimliche Beziehung, die traditionelle Rollenbilder ins Schwanken bringt

Dieses heteronormative Doppelleben bröckelt, als mit Mario Falak, gespielt von Luka Dimić, ein junger Soldat einrückt, der offen schwul ist und der Autrorität des Ausbildners die Stirn bietet. Eismayer verliebt sich in ihn, und das stellt die Welt des Vizeleutnants gehörig auf den Kopf. Denn das traditionelle Rollenbild eines Soldaten ist für ihn mit einer schwulen Beziehung nicht vereinbar. 

Schließlich verlässt der Vorzeigemacho für den Rekruten sogar Frau und Familie. Mario steht auch in den dunklen Stunden zu Eismayer, der die Beziehung gegenüber seinen Kameraden noch immer geheim hält. Doch der will das Versteckspiel nicht länger mitspielen und macht ihm öffentlich einen Antrag. 

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Regisseur Wagner gelingt es, Klischees aufzubrechen

“Gerade wenn Klischees aufgebrochen werden sollen, ist es notwendig, dass man seine Figuren neu denkt und ernst nimmt. Viel drückt sich da in den Dialogen aus, die mir bei der Schauspielführung sehr wichtig sind. Die Sprache, die beim Bundesheer gesprochen wird, ist sehr grob, technisch und manchmal unfreiwillig komisch”, erinnert sich Regisseur David Wagner. 

Ihm war Authentizität besonders wichtig: “Alle Darsteller in meinem Film haben diese Sprache und eine kurze militärische Ausbildung als Vorbereitung für den Film kosten dürfen/müssen. So zu sprechen, Befehle erteilen, Befehle empfangen, das macht was mit einem”, erklärt er. 

Entstanden sind eine subtile Charakterstudie und ein doppelt gespiegeltes Generationenportrait, das auf einer wahren Begebenheit beruht, aber dramaturgisch aufbereitet wurde und fiktionale Narrative erhält.

Eine Auszeichnung bei den Filmfestspielen in Venedig

„Ein derartiger Kinostoff wurde in Österreich noch nie erzählt, und es ist tatsächlich höchste Zeit dafür. Nicht nur weil sich in Österreich um die Person des Eismayer bei Grundwehrdienern viele Legenden ranken, sondern auch, weil diese Geschichte unsere Vorurteile und Vorstellungen von vermeintlicher Männlichkeit und Stärke bricht und neu zusammensetzt“, erklärt das Produzent:innenduo Arash T. Riahi und Sabine Gruber. 

Und das mit Erfolg bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig wurde “Eismayer” als bester Spielfilm der Settimana Internazionale della Critica ausgezeichnet, und dort wurde der Film auch für den Queer Lion nominiert. 

Eismayer Österreich, 2022, 87 Minuten
Regie: David Wagner
Hauptdarsteller:innen: Gerhard Liebmann (Charles Eismayer), Luka Dimić (Mario Falak), Julia Koschitz (Christina Eismayer)