Dienstag, 16. April 2024
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Gabriel Attal: Frankreich bekommt offen schwulen Premier

Frankreich bekommt einen offen schwulen Premierminister. Der erst 34 Jahre alte Gabriel Attal übernimmt das Amt von Élisabeth Borne.

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Der neue französische Premierminister heißt Gabriel Attal. Mit dem 34-Jährigen ist zum ersten mal ein offen schwuler Mann an der Spitze der französischen Regierung. Präsident Emmanuel Macron hat seinen ehemaligen Sprecher, der zuletzt Bildungsminister in der Regierung von Élisabeth Borne war, am heutigen Dienstag zum Regierungschef ernannt. Gleichzeitig wurde Attal mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt.

Gabriel Attal übernimmt den Posten in einer schwierigen Zeit

Borne musste ihren Posten unter anderem räumen, weil zuletzt die Verabschiedung des Integrationsgesetzes, eines der wichtigsten Projekte von Macron, sehr holprig geschah. Weil die Regierung keine Parlamentsmehrheit hat, musste dafür ein Deal mit den Konservativen geschlossen werden, der wiederum einigen eigenen Leuten zu restriktiv war.

Macron versucht mit dem Umbau der Regierung einen Befreiungsschlag in einem Schicksalsjahr: Bei der Europawahl im Frühjahr droht Marine Le Pen mit ihrer rechtsnationalen Partei den amtierenden Präsidenten deutlich zu überholen. Außerdem finden im Sommer die Olympischen und Paralympischen Spiele statt, während denen das Land als geeint und handlungsfähig gelten will.

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Ein junger Mann mit dem Drang nach oben

Dass Gabriel Attal die erste Wahl von Macron ist, war in Paris kein Geheimnis. Der nun jüngste Premierminister in der Geschichte Frankreichs gilt als enger Vertrauter des Präsidenten, mit dem Drang nach oben zu streben. So könnte er nun als liberaler Präsidentschaftskandidat für die nächsten Wahlen im Jahr 2027 aufgebaut werden.

Attal gilt als beliebt und hat den Ruf, auch mit Vertreter:innen anderer politischer Lager sachlich diskutieren zu können. Der 34-Jährige sei „die beste Karte, die Macron ausspielen könnte“, so Meinungsforscher Jérôme Fourquet gegenüber Sender BFM TV.

Gabriel Attal hat auch einen Hang zum Populismus

Dabei hat der ehemalige Sozialist auch ein Gespür für Populismus: Als Bildungsminister hatte sich Attal unter anderem für ein Verbot langer, bei manchen muslimischen Mädchen beliebter Gewänder und für das Testen von Schuluniformen eingesetzt. Nach mehreren Suizidfällen erklärte er auch den Kampf gegen Mobbing in der Schule zu einer der Prioritäten seiner Amtszeit.

Auch privat geht es bei Gabriel Attal politisch zu: Er war in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft (PACS) mit Stéphane Séjourné, dem Fraktionsvorsitzenden der liberalen Gruppe Renew Europe im Europaparlament und Vorsitzenden von Macrons Partei Renaissance.

Erratum: In einer früheren Version des Artikels war zu lesen, dass Attal noch in einer Beziehung mit Séjourné ist.

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