Freitag, 19. Juli 2024
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Litauen: Ein Drittel möchte keine queeren Arbeitskollegen

Ein neuer Eurobarometer-Bericht beleuchtet die vorherrschende Diskriminierung in Litauen aufgrund von sexueller Orientierung, Alter und Roma-Ethnizität. Trotz Verbesserungen bleibt die Situation herausfordernd.

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Laut der jüngsten Eurobarometer-Umfrage ist in Litauen die Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung, des Alters und für Angehörige der Roma-Minderheit am stärksten verbreitet. Ein Drittel der Litauer:innen hätte lieber keine queeren Kolleg:innen, ein Viertel würde ungern mit jemandem aus der Roma-Community zusammenarbeiten.

Besonders auffällig: Vorbehalte gegenüber trans Menschen

Die Umfrage zeigt aber eine leichte Verbesserung – wenn auch auf hohem Niveau. Im Vergleich zu 2019 hätten weniger Litauer:innen Probleme mit queeren und schwarzen Kolleg:innen. Hatten vor vier Jahren noch 21 Prozent der Befragten ein Problem mit einem schwarzen Arbeitskollegen, sind es in der aktuellen Umfrage „nur“ 12 Prozent.

Besonders auffällig sind die negativen Einstellungen gegenüber trans Personen. Noch immer 49 Prozent der Befragten möchte keine trans Person in einer hohen politischen Position sehen – im Vergleich zu 59 Prozent vor vier Jahren. Auch lesbische, schwule und bisexuelle Personen in politischen Führungspositionen stoßen bei 45 Prozent litauischen Bevölkerung auf Ablehnung.

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Fast 60 Prozent wollen nicht, dass ihr Kind eine gleichgeschlechtliche Beziehung hat

Von den Befragten wären 67 Prozent nicht glücklich, wenn ihr Kind eine Beziehung zu einer trans Person hätte, verglichen zu 71 Prozent bei der letzten Umfrage. Außerdem würden es 59 Prozent nicht gerne sehen, wenn ihr Kind eine gleichgeschlechtliche Beziehung hätte. Dieser Wert lag 2019 noch bei 70 Prozent.

Auch am Arbeitsmarkt nehmen die Menschen in Litauen Benachteiligungen wahr, etwa aufgrund des Alters, einer Behinderung oder der Zugehörigkeit zur Minderheit der Roma. Das Alter sieht dabei 61 Prozent der Befragten als Hindernis bei der Jobsuche – zwei Prozentpunkte mehr als bei der letzten Umfrage.

Die aktuellen Programme gegen Diskriminierung sind ineffektiv

Artūras Rudomanskis, Vorsitzender der Vereinigung „Tolerant Youth“, kritisiert, dass in Litauen nicht genug gegen Diskriminierung unternommen wird: „Die sozialen Gruppen, die Diskriminierung erfahren, sind die selben geblieben“, sagt er dem Litauischen Rundfunk LRT . Die aktuellen Programme seien ineffektiv. 

Ištvan Kvik, Vorsitzender der Roma-Gemeinschaft in Litauen, sieht jedoch positive Entwicklungen hinsichtlich der Diskriminierung gegen Roma. So habe sich die Beschäftigungssituation für Betroffene in den letzten vier Jahren gebessert.

Die Rechte sexueller Minderheiten in Litauen sind kaum mehr als die Erfüllung der EU-Mindeststandards. So wurde die Einführung von Eingetragenen Partnerschaften 2021 vom Parlament knapp abgelehnt. Die Baltic Pride in der Hauptstadt Vilnius hatte im letzten Jahr etwa 10.000 Teilnehmer:innen.