Mittwoch, 24. Juli 2024
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Harte Strafen der Bundesliga für schwulenfeindliche Ausraster von Rapid

Ein deutliches Zeichen gegen Homophobie setzt die österreichische Bundesliga: Für die Entgleisungen nach dem Derby sind der Verein sowie alle involvierten Personen vom Strafsenat der Bundesliga zu deutlichen unbedingten Strafen verurteilt worden.

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Überraschend deutlich positioniert sich die österreichische Bundesliga gegen die beleidigenden und schwulenfeindlichen Entgleisungen bei Rapid Wien nach dem Derby gegen die Austria: Zunächst wurde in Video von Rapid-Geschäftsführer Steffen Hofmann bekannt, in dem er vor Fans den Stadtrivalen derb beleidigt.

In weiteren Videos ist zu sehen, wie Co-Trainer Stefan Kulovits sowie die Spieler Guido Burgstaller, Marco Grüll, Thorsten Schick, Maximilian Hofmann und Niklas Hedl gemeinsam mit Fans teils homophobe Gesänge gegen den Lokalrivalen anstimmen. Es folgten – wie so oft – Entschuldigungen und Distanzierungen. Doch da hat die Liga bereits angefangen zu ermitteln.

Bundesliga stellt klar: Zeit der schwulenfeindlichen Sprüche sind vorbei

Am Montag wurde die Causa nun vor dem Strafsenat der Bundesliga behandelt. Und dort wurde klar, dass die Zeiten, in denen schwulenfeindliche Sprüche in österreichischen Stadien als Kavaliersdelikt abgetan werden, offenbar vorbei sind.

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So erhielt Geschäftsführer Steffen Hofmann wegen Ehrverletzung eine Funktionssperre von zwei Monaten, davon ein Monat unbedingt. Co-Trainer Kulovits fasste wegen Diskriminierung eine dreimonatige Funktionssperre aus, davon ein Monat bedingt. Das bedeutet, sie müssen unter anderem vom Spielfeld, den Spieler- und Betreuerbänken, dem Spielertunnel und den Kabinen fernbleiben. Die Sperre beginnt 30 Minuten vor jedem Pflichtspiel und endet mit dem Spielende.

Wichtige Spieler fehlen nun für das Entscheidungsspiel

Auch bei den Spielern, die sich bei den Entgleisungen beteiligt hatten, reagierte der Strafsenat der Bundesliga deutlich. Burgstaller und Grüll wurden wegen Diskriminierung für sechs Pflichtspiele gesperrt, davon drei unbedingt. Damit dürfte Grüll auch bei seinem neuen Verein Werder Bremen zusätzlichen Erklärungsbedarf haben.

Thorsten Schick wurde wegen Diskriminierung für fünf Spiele gesperrt, davon zwei unbedingt. Glimpflicher kamen Maximilian Hofmann und Torhüter Niklas Hedl davon, bei denen der Strafsenat Reue anerkannte. Sie wurden nur wegen Verletzung des Fair-Play-Gedankens für drei Spiele gesperrt, davon eines unbedingt.

Die Beteiligten müssen nun an Anti-Homophobie Workshops teilnehmen

Außerdem müssen alle Beteiligten innerhalb der nächsten zwölf Monate an drei jeweils einstündigen entsprechenden Workshops an Schulen teilnehmen. Sollten sie das nicht machen, könnten bei den betreffenden Spielern und Funktionären auch die Bewährungsstrafen in Kraft treten.

Auch der Verein wurde vom Strafsenat abgestraft: Wenn es bis zum 4. März 2026 einen weiteren Vorfall geben sollte, werden Rapid Wien wegen Diskriminierung drei Punkte abgezogen. Rapid hat angekündigt, einen umfassenden Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung von Homophobie auszuarbeiten.

Doch auch ohne diesen Punktabzug schmerzt die Entscheidung den Verein: Denn beim entscheidenden Spiel um den Einzug in die Meistergruppe am Sonntag bei Austria Klagenfurt fehlen fünf teils entscheidende Spieler, darunter Kapitän Burgstaller und Torjäger Grüll.

„Die Österreichische Bundesliga bekennt sich zum Kampf gegen Diskriminierung jeder Art“

„Die Österreichische Bundesliga bekennt sich zum Kampf gegen Diskriminierung jeder Art. Die Vorbildwirkung von Fußballern, Betreuern und Funktionären geht über das Geschehen am grünen Rasen hinaus“, macht die Bundesliga nach dem Urteil klar. Die Inhalte der Videos stünden „in keinerlei Einklang mit den Werten, für die der Fußball insgesamt und die Österreichische Bundesliga im Speziellen stehen“.

Bei Rapid scheint es nur bedingt Einsicht zu den deutlichen Urteilen zu geben. Präsident Alexander Wrabetz hat am Dienstag in einer Pressekonferenz angekündigt, Protest gegen die Sperren der Spieler einzulegen. Das Urteil sei „sehr hart“, so Wrabetz. Selbst will der Verein der Beteiligten nicht bestrafen.