Matt Bomer, Anne Hathaway und Seth MacFarlane gegen Anti-Homo-Gesetz in Georgia

Im US-Bundesstaat Georgia steht ein homophobes Gesetz kurz davor, in Kraft zu treten. Das Gesetz HB 757, auch als „Gesetz zum Schutz von Geistlichen“ bezeichnet, sieht in seiner derzeitigen Fassung vor, dass gemeinnützige Organisationen Homosexuelle oder andere unerwünschte Minderheiten diskriminieren dürfen. Für den Staat könnte das Gesetz aber zum Bumerang werden: Denn große Firmen haben angekündigt, dann nicht mehr in dem Bundesstaat zu investieren.

Ähnlich wie ein Gesetz zum Schutz der „religiösen Freiheit“, das im letzten Jahr in Indiana verabschiedet wurde, wäre es durch das Gesetz in Georgia ebenfalls gedeckt, wenn kirchliche Krankenhäuser Lesben und Schwulen die Behandlung verweigern würden.

Parlament mit großer Mehrheit für Diskriminierung

Der Senat und das Repräsentantenhaus in der Hauptstadt Atlanta haben das Gesetz bereits mit großer Mehrheit beschlossen – nun liegt es auf dem Schreibtisch des republikanischen Gouverneur Nathan Deal und wartet darauf, unterschrieben zu werden.

Davor warnen ihn aber eine Gruppe von Hollywood-Größen: Sie würden in Georgia keine Filme mehr drehen, wenn das Gesetz in Kraft tritt, haben sie Deal in einem offenen Brief gedroht. Und der Bundesstaat würde einen solchen Boykott durchaus spüren.

Boykott würde Filmbranche deutlich treffen

Denn Georgia gilt als „Hollywood des Südens“: Wie die US-Bürgerrechtsorganisation Human Rights Campaign (HRC) recherchiert hat, wurden dort letztes Jahr 248 Filme und Fernsehserien gedreht, die 1,8 Milliarden Dollar in die Wirtschaft des Bundesstaates gepumpt haben.

Zu den Unterzeichnern des Briefs gehören der offen schwule Schauspieler Matt Bomer, „Milk“-Drehbuchautor Dustin Lance Black, die Schauspielerinnen Anne Hathaway, Julianne Moore, Marisa Tomei und Zoe Kravitz, Regisseur Gus van Sant, die Produzenten Seth MacFarlane, John Goldwyn und Harvey Weinstein sowie viele andere Hollywood-Größen.

Auch Filmstudios haben angekündigt, künftig einen Bogen um Georgia zu machen, wenn das lesben- und schwulenfeindliche Gesetz in Kraft tritt. Unter anderem Disney und Marvel wollen den Bundesstaat dann boykottieren. Auch der Fernsehsender AMC, der in Georgia die Serie „The Walking Dead“ dreht, betonte, man lehne das Gesetz ab, da „jede Art von Diskriminierung verwerflich“ sei.

Kostet das Gesetz Georgia den Super Bowl?

Und nicht nur die Filmindustrie von Georgia könnte Schaden nehmen, wenn der Gouverneur das umstrittene Gesetz unterzeichnet. Der Football-Dachverband NFL hat bereits damit gedroht, dass der US-Bundesstaat dann nicht mehr den prestigeträchtigen Super Bowl austragen dürfe. Derzeit verhandelt die NFL um die Austragung der Wettbewerbe für 2019 und 2020.

Auch andere Branchen folgen diesem Beispiel: Marc Benioff, Vorstandsvorsitzender der Internet-Firma Salesforce, hat angekündigt, eine Konferenz mit 15.000 Teilnehmern abzusagen, wenn das Gesetz in Kraft tritt. Ähnliche Ankündigungen gibt es von anderen Großkonzernen wie Unilever, Dell, Microsoft und Delta Airlines.

Gouverneur kritisiert Parlament: „Jesus ging zu den Ausgestoßenen“

Die Handelskammer von Georgia warnt bereits: „Derzeit bietet Georgia die beste Atmosphäre für Unternehmen im ganzen Land. Das Gesetz würde uns schaden, die Jobs hier zu halten und neue Jobs zu schaffen, auf die die Familien in Georgia angewiesen sind.“

Gouverneur Nathan Deal hat bereits angekündigt, sich eine Unterschrift des umstrittenen Gesetzes genau zu überlegen: „In meinen religiösen Ansichten haben wir keinen Glauben, der sagt, wir sollen irgendjemanden diskriminieren. Ich glaube, das Neue Testament hat uns gelehrt, dass Jesus zu denen gegangen ist, die als Ausgestoßene gegolten haben.“