Schweiz: Junger Schwuler und Transgender auf Bahnhof attackiert

Unbekannter schlug zu und warf eine Bierflasche ins Gesicht

jährige Björn von Ow und Markus „Milla“ Tinner
Facebook/privat

Ein junger Schwuler und sein transsexueller Freund sind am Sonntag in der Schweiz an einem Bahnhof im Kanton St. Gallen von einem Betrunkenen angepöbelt und verprügelt worden. Besonders beunruhigend: Die von den Opfern gerufene Polizei hat bei dem Vorfall nicht eingegriffen.

Der 22-jährige Björn von Ow und sein transsexueller Freund Markus „Milla“ Tinner standen am Sonntag friedlich am Bahnhof von Sargans, einem 5.000 Einwohner zählenden Ort. Plötzlich wurden sie von einem Betrunkenen als „Scheiß-Schwuchteln“ angepöbelt. Der 22-Jährige forderte den Mann auf, damit aufzuhören. Doch dadurch geriet die Situation außer Kontrolle.

Mit der Faust ins Gesicht – und die Polizei wollte nichts machen

„Er hat mich mit der Faust ins Gesicht geschlagen und mit Bierflaschen beworfen“, berichtet von Ow der Schweizer Boulevardzeitung „20 Minuten“. Tinner rief daraufhin die Polizei an. Deren Reaktion: Man könne nichts machen, die beiden Burschen sollen doch einen Arzt aufsuchen und Anzeige erstatten.

Doch damit war das Drama noch nicht vorbei: „Der Betrunkene hat mitbekommen, dass wir die Polizei angerufen haben und hat Markus daraufhin zusammengeschlagen“, erinnert sich Björn von Ow im Gespräch mit „20 Minuten“.

Schließlich konnten sich die beiden Burschen in einen nahegelegenen Kiosk retten. Von den anwesenden Passanten half ihnen niemand. „Zivilcourage war da wohl kein Thema“, ärgert sich von Ow heute noch.

Polizei weist Vorwurf der Untätigkeit zurück

Am darauffolgenden Montag gingen die beiden Opfer zum Arzt. „Markus wurde die Platzwunde oberhalb des Auges zugeklebt“, erinnert sich von Ow. Ihm selbst gehe es, abgesehen von Kopfschmerzen, „den Umständen entsprechend gut“. Eigenen Angaben zufolge haben die Beiden bereits Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Den Vorwurf, nicht geholfen zu haben, weist die Kantonspolizei St. Gallen zurück. Demnach seien Beamte in Zivil nach dem Anruf am Bahnhof Sargans vorbeigefahren. „Die beiden Polizisten sahen den Betroffenen, der mit dem Handy beschäftigt war. Die Person verhielt sich nicht auffällig oder hilfesuchend und machte auch nicht auf sich aufmerksam“, erklärt Polizeisprecher Gian Andrea Rezzoli gegenüber „20 Minuten“.

Homophober Angriff für Pink Cross keine Überraschung

Für die Schweizer Schwulenorganisation Pink Cross ist der Angriff auf dem kleinen Bahnhof nicht überraschend: „Schwule, Lesben und Transmenschen haben in der Schweiz jeden Tag mit Diskriminierung und Anfeindungen zu kämpfen“, erklärt Bastian Baumann von Pink Cross.

Wie hoch die Zahl der Angriffe sei, könne man nicht sagen: Wie auch in Österreich werden Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheit in der Schweiz statistisch nicht ausgewertet. „Wir rufen deshalb alle Opfer von Gewalt auf, sich bei uns zu melden“, so Baumann. Pink Cross würde die Zahlen dann auswerten.