Fußball: Englischer Verbandschef arbeitet an Spieler-Coming-Out

„Das ist eine Einbahnstraße. Wenn du einmal aus dem Schrank draußen bist, bist du draußen.“

Fußball
Symbolbild - Fotolia

Greg Clarke, der Vorsitzende des englischen Fußballverbandes FA, hat sich in den letzten Wochen mit 15 homosexuellen Sportlern getroffen, unter ihnen auch Fußballer. Er möchte ihnen bei einem gemeinschaftlichen Outing helfen und wollte ihre Meinung zu diesem Thema erfahren.

Greg Clarke arbeitet an einem Outing mehrerer Spieler, damit der Druck für Einzelne nicht so hoch ist

Das hat Clarke nun der britischen „Times“ bestätigt. „Wenn sich viele Topspieler outen wollen, warum sollen wir das nicht abstimmen. Dann muss nicht einer alleine diesen Schritt machen“, sagte er der Tageszeitung. Als Zeitpunkt dafür schlägt er den Saisonbeginn vor. Dann wären die Fans gut gestimmt und andere Themen würden das Outing überlagern. Derzeit gibt es in der englischen Liga keinen offen schwulen Fußballer.

„Ich wurde vor kurzem gefragt, ob der Fußball bereit dafür wäre, dass sich Topspieler outen, und ich habe gesagt, ich wäre mir nicht sicher“, so Greg Clarke: „Es gibt zwar eine Umfrage, der zufolge die Fans schwule Spieler in ihrem eigenen Team unterstützen würden, aber ich bin besorgt darüber, was sie über schwule Spieler im gegnerischen Team gesagt haben. Nicht, dass sie ihnen etwas Schlechtes antun wollen, aber wir sollten gut darauf vorbereitet sein.“

Der Verbandchef traf sich in den letzten Wochen mit 15 homosexuellen Sportlern – darunter auch Fußballern

Deshalb habe er sich in den letzten vier Wochen mit 15 schwulen und lesbischen Sportlern getroffen – darunter auch Fußballer: „Es ist ziemlich schwer, einen repräsentativen Querschnitt von schwulen Spitzenfußballern zu finden, weil einige von ihnen mit ihrer Sexualität glücklich sind und einfach nicht wollen, dass es jemand erfährt“, erinnert sich der Vorsitzende des englischen Fußballverbandes.

Auf jeden Fall solle niemand zu einem Coming Out gedrängt werden, macht Clarke klar: „Das ist eine Einbahnstraße. Wenn du einmal aus dem Schrank draußen bist, bist du draußen.“

Bis jetzt haben sich nur wenige Fußballspieler aus Angst vor negativen Reaktionen während ihrer aktiven Karriere als schwul geoutet. Unter ihnen waren beispielsweise US-Fußballer Robbie Rogers oder der schwedische Spieler Anton Hysen, die allerdings beide keine internationalen Top-Spieler sind. Der deutsche Nationalspieler Thomas Hitzelsperger hat damit bis zum Ende seiner Karriere gewartet.