Türkei: Gouverneur verbietet LGBTI-Filmfestival der deutschen Botschaft

Weil die Filme "provokativ" sind und Terrorgefahr bestehe

Atatürk-Mausoleum in Ankara
schweinalp/Pixabay - C00

Ercan Topaca, Gouverneur der türkischen Hauptstadt Ankara, hat gestern die Durchführung von LGBTI-Filmtagen in der deutschen Botschaft untersagt – einen Tag vor der Eröffnung. Für den Politiker stellen die Filmtage eine Gefahr für den Frieden in der Stadt dar, wie es in dem Bescheid heißt: Konservative Gesellschaftskreise könnten sich durch deren Durchführung beleidigt fühlen.

Die Filmtage sollten am 16. und 17. November stattfinden. Sie sind eine gemeinsame Veranstaltung der Botschaft, einer türkischen Initiative für queeren Film sowie einem unabhängigen Kino. Dabei sollten vier Filme von deutschen Regisseuren gezeigt werden, darunter auch „Aus der Haut“, ein ein österreichisch-deutscher Coming-of-Age-Film des Regisseurs Stefan Schaller aus dem Jahr 2015.

Das LGBTI-Filmfestival könnte die Sicherheit und den sozialen Frieden gefährden, befürchtet der Gouverneur

Das Gouverneursamt wies in seinem Verbotsbescheid darauf hin, dass sie ermächtigt seien, Versammlungen zu untersagen, um die Sicherheit und den sozialen Frieden sicherzustellen. Die Filminhalte könnten „Ressentiments und Feindseligkeit gegenüber einem Teil der Gesellschaft“ provozieren, heißt es in der Begründung des Gouverneursamt. Außerdem könne die öffentliche Vorführung der Filme die Terrorgefahr erhöhen. Es gebe Berichte, wonach „Terrororganisationen versuchen, Dissidenten oder deren Organisationen anzugreifen“. Daher könne das Filmfestival „provokativ“ sein und ungewollte Reaktionen auslösen.

Die deutsche Botschaft in Ankara reagierte auf das Verbot, indem sie auf einer Außenmauer gut sichtbar eine Regenbogenflagge aufhängte. Michael Roth, offen schwuler Staatsminister für Europa im deutschen Außenministerium kritisierte die Türkei für das Verbot. Auf Twitter machte der SPD-Politiker klar: „Die Freiheit der Kunst und die Rechte von Minderheiten sind unantastbar! Das muss auch in der Türkei gelten!“

https://twitter.com/MiRo_SPD/status/930860046233239552

Die Lage für sexuelle Minderheiten in der Türkei spitzt sich immer mehr zu

In der Türkei sind homosexuelle Handlungen seit 1858 legal. Allerdings wurden die Möglichkeiten sexueller Minderheiten in der Türkei in den letzten Jahren immer wieder eingeschränkt. So hat der Gouverneur von Istanbul, Vasip Şahin, im Juni die 15. Istanbul Pride verboten. Teilnehmer, die trotzdem für ihre Rechte demonstrierten, wurden in Polizeigewahrsam genommen.

Die Parade zum Abschluss der „Pride Week“ wurde nach mehr als einem Jahrzehnt ohne größere Probleme im Jahr 2015 zum ersten Mal verboten. Damals verwies der Gouverneur der Stadt auf den für Muslime heiligen Monat Ramadan. Dennoch gingen Tausende auf die Straße. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen friedliche Demonstranten ein.