Haben Islam-Kritiker Überfälle in Berlin erfunden?

Selbsternannte Islam-Kritiker sollen eine deutschlandweite Umfrage über Gewalt an Lesben und Schwule gezielt manipuliert haben, um Stimmung gegen Ausländer zu machen. Das berichtet das Online-Magazin queer.de nach einem anonymen Hinweis.

Konkret sollen Männer einen Online-Fragebogen des schwulen Berliner Überfalltelefons „Maneo“ öfter ausgefüllt und so das Ergebnis manipuliert haben. Sämtliche großen Medien berichten über diese Umfrage, sie wird auch oft zitiert, wenn es um Gewalt gegen Schwule geht. Auch sollen erfundene Übergriffe beim Überfalltelefon gemeldet worden sein. Eindeutige Kommentare und „Erlebnisberichte“ in lesbischwulen Foren und Infoportalen sollten ebenfalls negative Stimmung gegen Mohammedaner machen.

Ins Rollen gekommen ist der Fall, weil „Frank“ eine anonyme E-Mail an queer.de-Autor Norbert Blech geschrieben hat: Er bezeichnet sich als „Aussteiger“ aus einem islamfeindlichen Teil der lesbischwulen Community. Da er sich mittlerweile für den „eigenen Rassismus“ schäme, wollte er auspacken. Beweise für seine Vorwürfe legte „Frank“ nicht vor, Blech konnte ihn auch für Rückfragen nicht erreichen.

Er habe eigenen Angaben zufolge den Online-Fragebogen „bestimmt 10 Mal mit unterschiedlichen Angaben ausgefüllt“ und Türken als Täter angegeben. Damit wollte er eine „reale Bedrohung“ aufbauen. „Frank“ schreibt weiter, er kenne „mindestens fünf“ Bekannte, die ähnliches getan hätten. Auch über Internet-Foren wurde dazu aufgerufen, die Online-Umfrage zu manipulieren. Ein User „G.Wilders“ forderte nach queer.de-Recherchen auf der Website „Grüne Pest“ dazu auf: „keine sorge, eure angaben müßen nicht stimmen und schwul/bi braucht ihr auch nichts zu sein – jedoch das richtige ankreuzen: ihr wißt schon, von wen geht gewalt aus… die angaben überalsse ich eurer phantasie“.

Außerdem will „Frank“ dem „Maneo“-Überfalltelefon zwei Übergriffe gemeldet haben – die beide erfunden waren: „Das war unglaublich leicht, die sind so unglaublich dumm und sind einfach zu instrumentalisieren“, heißt es in der E-Mail an queer.de.

Die Islamkritiker waren mit ihrer Propaganda erfolgreich. Bei der ersten Studie, bei der nicht nach der Herkunft der Täter gefragt wurde, gaben 16 Prozent von sich aus an, ihr Angreifer wäre „nichtdeutscher Herkunft“. Maneo-Leiter Bastian Finke damals: „Hätten wir nach dieser Tätergruppe gefragt, hätten wir noch mehr Nennungen gehabt.“ Bei der zweiten Studie, bei der nach solchen Tätern gefragt wurde, erfüllte sich diese Prophezeiung: Fast 40 Prozent gaben online an, von einem Täter nichtdeutscher oder muslimischer Herkunft angegriffen worden zu sein. Finke schloss daraus: „Die im Bericht zur Vorjahresuntersuchung geäußerte Befürchtung, dass der dort in einer offenen Frage erhaltene Anteil nichtdeutscher Täter mit 16 Prozent der Fälle unterschätzt sein dürfte, kann damit als bestätigt angesehen werden.“

Diese Zahlen werden durch die E-Mail an queer.de jetzt relativiert. Denn „Maneo“ hat nach Informationen von queer.de keine Sicherheitsmechanismen, die gefälschten Meldungen unterbinden – weder bei der Online-Umfrage noch beim Überfalltelefon.

Links zum Thema