Land Berlin will Ehe für Lesben und Schwule öffnen

Die Berliner Stadtregierung möchte die Ehe auch für Lesben und Schwule öffnen. Einen dem entsprechenden Antrag hat der Senat heute in den Bundesrat eingebracht.

„Da sich beide Lebensformen lediglich durch die sexuelle Orientierung der in ihnen lebenden Menschen unterscheiden, (…) stellt sich die Frage nach dem sachlichen Grund für diese Ungleichbehandlung“, heißt es in dem Antrag der Berliner Stadtregierung.

Der Senat beruft sich dabei auf zwei Entscheidungen des deutschen Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe: Vor zwei Jahren entschieden die Richter, dass sich Transsexuelle bei einer Geschlechtsanpassung nicht mehr scheiden lassen müssen – damit waren erstmals gleichgeschlechtliche Ehen in Deutschland legal, wenn auch nur für einen kleinen Personenkreis. Im Vorjahr entschieden die Richter schließlich, dass grundlose Benachteiligungen gleichgeschlechtlicher Paare gegen das Grundgesetz, die deutsche Verfassung, verstoßen.

Lob für den Vorstoß, der wenig Aussicht auf Erfolg hat, kommt vom deutschen Lesben- und Schwulenverband (LSVD). „Angesichts des gesellschaftlichen Wandels und der damit verbundenen Änderung des Eheverständnisses gibt es heute keine vernünftigen Gründe mehr, homo- und heterosexuelle Partnerschaften unterschiedlich zu behandeln“, teilt dessen Sprecher Manfred Bruns die Argumentation des Berliner Senats.

Kritik am Berliner Vorstoß kommt erwartungsgemäß von den Kirchen. „Die gleichgeschlechtliche Partnerschaft ist keine Ehe“, erklärte Stefan Förner, Sprecher der römisch-katholischen Erzdiözese Berlin der „Berliner Morgenpost“. Auch die Protestanten verwehren sich gegen eine Öffnung der Zivilehe. Heike Krohn, Sprecherin der evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, sieht die Ehe als „traditionelles Kulturgut“. Kinder müssten mit einem männlichen und einem weiblichen Vorbild aufwachsen, so Krohn.