Alan Turing wird nicht rehabilitiert

Dieses Jahr hätte der britische Informatik-Pionier Alan Turing seinen 100. Geburtstag gefeiert. Vor sechzig Jahren fiel er allerdings bei der Öffentlichkeit in Ungnade: Aufgrund seiner Homosexualität wurde er wegen „schwerer Unzucht“ verurteilt. Eine nachträgliche Rehabilitation schloss die britische Regierung jetzt aus – obwohl eine dementsprechende Petition mehr als 21.000 Unterschriften erreichte.

Eigentlich ist Alan Turing so etwas wie ein Held: In der Informatik formulierte er zahlreiche Grundsätze, die bis heute gelten. Mit seiner Hilfe konnten die Briten die deutsche Chiffriermaschine Enigma entschlüsseln – und so den 2. Weltkrieg gewinnen.

Nach dem Krieg wurde Turing allerdings nicht gefeiert, sondern verstoßen: Weil er schwul war, wurde er zahlreichen Repressionen ausgesetzt: Im Jahr 1952 wurde er wegen „schwerer Unzucht“ verurteilt. Seine Sicherheitseinstufung wurde herabgesetzt, was ihm die Arbeit für den Geheimdienst unmöglich machte. Und er musste sich wegen seiner Homosexualität chemisch kastrieren lassen, was zu schweren Nebenwirkungen führte. All das trieb ihn 1954 in den Selbstmord.

Die britische Regierung hat sich bereits im Jahr 2009 offiziell für ihr Vorgehen entschuldigt. Rehabilitieren will man Turing aber nicht – denn er wurde damals rechtskräftig verurteilt: „Er musste wissen, dass sein Vergehen gegen das Gesetz war und dass er angeklagt werden würde“, so Lord McNally, ein Mitglied des altehrwürdigen House of Lords. Es sei „tragisch“, dass Turing wegen einer Straftat verurteilt worden sei, die heute „sowohl grausam als auch absurd“ erscheine. Noch deutlicher trete diese Tragik durch Turings Verdienste im zweiten Weltkrieg hervor. Dennoch habe er sich nach damaligen Standards einer Straftat schuldig gemacht. Daher sei es seit langem gängige Praxis, „zu akzeptieren, dass solche Verurteilungen stattfanden und statt zu versuchen, den historischen Kontext zu verändern und wieder gut zu machen, was nicht wieder gut gemacht werden kann, sicherzustellen, dass wir niemals wieder zu diesen Zeiten zurückkehren“.