Vier von fünf Syphilis-Neuerkrankten sind schwul oder bisexuell

In Deutschland ist die Zahl der gemeldeten Syphilis-Fälle im letzten Jahr deutlich gestiegen – vor allem Männer, die Sex mit Männern haben, sind für den Anstieg verantwortlich. Das geht aus dem aktuellen Epidemiologischen Bulletin des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor.

So wurden 2011 in Deutschland 3698 Fälle von Syphilis gemeldet. Das sind um 22 Prozent als im Jahr zuvor. Für die Experten ist der Trend „Besorgnis erregend“: Denn in den letzten Jahren blieb die Zahl der Neuinfektionen gleich oder sank sogar. Nun ist sie aber wieder auf das Niveau von 1986 geklettert. Die Zahlen der ersten zwei Monate des heurigen Jahres lassen darauf schließen, dass auch 2012 die Zahlen erneut steigen könnten.

Sex zwischen Männern war laut RKI die häufigste Infektionsquelle: 84 Prozent der Betroffenen sind schwul oder bisexuell. Deshalb stieg die Zahl der Neuinfektionen bei Männern auch ungleich stärker an als bei Frauen.

Besonders bedenklich ist der Anstieg für schwule Männer auch, weil durch eine Syphilis-Infektion das Risiko steigt, sich mit HIV zu infizieren.

Genaue Gründe für das Ansteigen kennen die Forscher nicht: „Warum die Zahl der gemeldeten Syphilis-Patienten zunimmt, wissen wir nicht genau“, erklärt Viviane Bremer vom RKI. „Spekulieren ließe sich, dass eine gewisse Sorglosigkeit bei Sexualkontakten die steigenden Infektionszahlen begründet“, erklärt sie der Online-Ausgabe des „Spiegel“. Es könnte aber auch sein, dass die Betroffenen aufmerksamer geworden sind.

Das Bundesland mit den meisten Neuerkrankungen ist Berlin. Mit Abstand folgen Hamburg und Bremen, über dem Durchschnitt liegen die Neuinfektionsraten auch in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Auch dort werden in den Großstädten die meisten Neuerkrankungen diagnostiziert.

Der Syphilis-Erreger, Treponema pallidum, gelangt vor allem beim Sex über die Schleimhäute in den Körper. Dort löst er meistens schmerzlose Geschwüre an den Genitalien aus. In dieser Phase ist die Krankheit mit Penicilin leicht zu behandeln.

Ohne Therapie kann es zu Hautausschlägen kommen, im Spätstadium befallen die Bakterien auch Verdauungsorgane, Knochen, Muskeln und Nervensystem. Auch dann ist eine Behandlung noch möglich, wenngleich sie auch viel schwerer ist.

Links zum Thema

  • GGG.at: Syphilis