US-Baby von HIV geheilt?

Im US-Bundesstaat Mississippi dürfte ein heute zweijähriges Mädchen von seiner HIV-Infektion weitgehend geheilt sein. Experten warnen aber vor vorschneller Freude: Eine endgültige Diagnose sei erst nach Jahren möglich.

Die Mutter wusste nichts von ihrer HIV-Infektion und steckte deshalb unwissentlich auch ihr Baby mit dem Virus an. Die Ärzte begannen deshalb 31 Stunden nach der Geburt mit der Behandlung, ähnlich der PEP, die auch bei Erwachsenen nach Risikokontakten zum Einsatz kommt. Die Virenbelastung sank, bald war der Virus – wie bei jeder zeitgemäßen HIV-Behandlung – im Blut nicht mehr nachweisbar.

Nach 18 Monaten setzte die Mutter die Medikamente des Babys ab – normalerweise ein schwerer Fehler Drei Monate später kamen Mutter und Kind wieder ins Spital. Die Ärzte erwarteten das Schlimmste – und fanden fast nichts. Das sei „der erste gut dokumentierte Fall“ der Heilung eines infizierten Babys, berichtete die Kinderärztin Deborah Persaud am Sonntag bei einer Retroviren-Konferenz in Atlanta.

Der österreichische HIV-Experte Norbert Vetter vom Otto-Wagner-Spital traut dem Frieden allerdings nicht. Er warnt: „Es ist viel zu früh, Konsequenzen abzuleiten. Das Virus könnte noch in ,sanctuaries‘ – Zufluchtsstätten – ruhen, im Gehirn und/oder dem Lymphsystem“. Das sei eine der vielen bösen Überraschungen, die das HI-Virus so unberechenbar machten.

Deshalb betonte Persaud auch, es handle sich um eine „functional cure“, bei der das Immunsystem des Kindes die Oberhand über die Viren erhalten und behalten habe und nicht um eine „sterilizing cure“, bei der die Viren vernichtet wurden.