Zehn Jahre Haft für versuchten Brandanschlag auf Schwulenclub

In Seattle im US-Bundesstaat Washington hat ein Richter einen libyschstämmigen Amerikaner zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er zu Silvester einen Schwulenclub anzünden wollte. Verteidigung und Staatsanwalt hatten sich zuvor auf eine fünfjährige Haftstrafe geeinigt. Das war dem Richter aber zu mild – schließlich sei das Verbrechen aus Schwulenhass begangen worden.

Es war eine ausgelassene Party im „Neighbours“: Rund 750 Gäste feierten ausgelassen das Jahr 2014, als kurz nach Mitternacht Musab M. zu dem Club kam. Er überschüttete den Eingang des Clubs mit Benzin und zündete ihn an. Nur weil alle Beteiligten richtig reagierten und der Brand mit einem Feuerlöscher schnell unter Kontrolle gebracht werden konnte, wurde niemand verletzt.

Verdächtiger wollte flüchten und gab dem Alkohol die Schuld

Der Verdächtige konnte bald darauf gefasst werden – Musab M. hatte ein Hinflug-Ticket in die Türkei gebucht.

Während des Verfahrens erklärte er, wegen seines Alkoholismus nicht schuldfähig zu sein: Er habe an dem fraglichen Abend eine Flasche billigen Whisky getrunken und könne sich an nichts mehr erinnern. „Ich glaube nicht, dass ich ein schlechter Mensch bin, aber wenn ich betrunken bin, habe ich schon schlimme Sachen gemacht“, schrieb er in einem Brief an das Gericht – und versprach, nie wieder einen Tropfen Alkohol anzurühren.

FBI hatte Beweise für seinen Schwulenhass

Doch diese Behauptung stand auf wackligen Beinen: Im Jänner hatte sich ein Freund des Angeklagten beim FBI gemeldet. Er beschrieb Musab M. als potentiellen Terroristen, der Lesben und Schwule „ausrotten“ wolle. Als Bestätigung für diese Behauptung gab es auch weitere Aussagen des Verdächtigen. Der Staatsanwalt ging davon aus, dass er wegen eines „unerträglichen Hasses“ auf Schwule die Bar anzünden wollte.

Der Verteidiger beharrte allerdings darauf, dass der Alkoholismus des Angeklagten der einzige Grund für den Anschlag sei. Die beiden Seiten einigten sich schließlich auf eine Haftstrafe in der Höhe von fünf Jahren.

Richter nahm Deal nicht an und verdoppelte die Strafe

Doch Richter Richard Martinez nahm diesen Deal nicht an. Er verdoppelte die Freiheitsstrafe auf zehn Jahre. Musab M. hätte aus „Ignoranz und Intoleranz“ gehandelt. „Das Gericht muss eine klare Botschaft liefern: Ein solches Verhalten kann nicht akzeptiert werden“, so Martinez. Ohne rasche Reaktion der Gäste und Mitarbeiter des „Neighbours“ hätte der Anschlag in einer Katastrophe enden können.