Samstag, 13. April 2024
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‚Vielfalt im Schulhaus‘: SPÖ unterstützt Aktion, ÖVP schäumt

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„Vielfalt im Schulhaus ist sichtbar“: So heißt eine neue Plakataktion des Vereins „Ausgesprochen“, einem Netzwerk von LGBTI-Lehrern. So machen ab sofort 3.500 Plakate mit fünf unterschiedlichen Motiven in mehr als 700 Wiener Schulen auf lesbische, schwule, bisexuelle und transgender Lebensrealitäten aufmerksam. Protest an dieser Aktion kommt von der ÖVP Wien.

„Unser Ziel ist es, LGBTI in der Schule sichtbar zu machen. Schulbücher, Schulfächer, erwachsene Orientierungspersonen: Sie alle erzählen von tradierten Lebensentwürfen und beziehen sich dabei entweder auf eine etablierte und reduzierte Vergangenheit oder beschwören ein normiertes familiäres Zukunftsideal. Wir wollen die Schulhäuser öffnen“, erklärt „Ausgesprochen“-Obmann Markus Pusnik die Motive hinter der Plakatkampagne.

Unterstützt werden sie dabei auch von der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen (WASt). „Das Ausblenden von gleichgeschlechtlicher Liebe und PartnerInnenschaften sowie unterschiedlicher geschlechtlicher Identitäten fördert den Nährboden für Diskriminierungen. Was nicht gezeigt und benannt wird, darüber kann mit den Kindern und Jugendlichen auch nicht gesprochen werden“, erklärt Wolfgang Wilhelm von der WASt.

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Denn 30 Prozent der Lesben, Schwulen, Transgender und Intersexuellen sind in ihrer Ausbildung nicht geoutet. Das zeigt die aktuelle Studie „Queer in Wien“. Grund dafür ist oft die nicht unbegründete Angst vor Diskriminierung am Arbeitsplatz. Am häufigsten wird die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität durch subtile oder beiläufige Andeutungen schlecht gemacht, zeigt sie Studie.

Dass sich das zumindest an den Schulen ändert, hofft die für Antidiskriminierung zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger von der SPÖ. „Ein Klassenzimmer oder ein Hörsaal in dem ‚schwul‘ als Schimpfwort verwendet wird, muss 2015 der Vergangenheit angehören. Wir brauchen ein Klima der Akzeptanz und Vielfalt als Norm! Gemeinsam können wir erreichen, dass es nicht nur für LehrerInnen in Zukunft keine Rolle spielt, wen sie lieben, sondern auch, dass unsere Kinder auf ihren ersten Schritten in die Selbstständigkeit eine Gesellschaft kennenlernen, die vielfältig ist und auf Akzeptanz und Gleichheit aufgebaut ist“, erklärt sie.

Doch nicht alle im Wiener Gemeinderat vertretenen Parteien teilen offenbar diese Meinung. „Sexualerziehung im Volksschulalter ist primäres Elternrecht und nicht Aufgabe der Stadt Wien“, ärgert sich Sabine Schwarz, ÖVP-Bezirksrätin in Landstraße. „Es ist schließlich nicht Aufgabe der Stadt Wien, unsere sechs- und siebenjährigen Erstklässler mit Sagern wie ‚Felix+Jonas 4ever‘ zu konfrontieren und verwirren“, so Schwarz. „‚Altersgerecht‘ wäre dazu das Schlüsselwort – für diese rot-grüne Stadtregierung offensichtlich ein Fremdwort“, ärgert sich die ÖVP-Politikerin, die bei der Wahldiskussion der HOSI Wien noch ihre liberale Seite gezeigt hat.

Eine Position, die auch die sozialdemokratische LGBTI-Oranisation SoHo „entsetzt“: „Die ÖVP lässt mit ihrer ablehnenden Haltung zu, dass Kinder gemobbt und ausgegrenzt werden“, kritisiert Bakri Hallak, stellvertretender Vorsitzender der SoHo Wien. Es sei belegt, dass Mobbing und Diskriminierung weitreichende Folgen hätten: So zeigten Studien, dass lesbische und schwule Jugendliche eine vier- bis siebenmal höhere Suizidrate hätten und 17 Prozent der Lesben und zwölf Prozent der Schwulen bereits einmal versucht hätten, sich das Leben zu nehmen. Fast jeder dritte Suizidversuch in Österreich werde von homosexuellen Menschen begangen, so Hallak weiter.

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